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Franz Ferdinand: Jetzt mit Odysseus!

(c) EPA (Robin Utrecht)
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„Ulysses“, die nächste Single der Schotten, bisher nur im Internet: eine perfekte Popminiatur.

Es gibt Popsongs, bei denen man sich denkt: Das kann doch nicht sein, dass – im immerhin 53.Jahr nach „Heartbreak Hotel“! – noch niemand diese Idee gehabt hat. So bei „Ulysses“, dem neuen, perfekte drei Minuten dauernden, irgendwie halb offiziell übers Radio auf YouTube geschleusten Song der schottischen Band Franz Ferdinand, diesen letzten Streitern für Dekadenz & Brillanz & knappe Sakkos im Pop.

Die Insel Ithaka kam ja als Traumort schon in „Lucid Dreams“ vor, dem im August via „iTunes“ publizierten Song, der derartig unverschämter Zitatpop ist, dass man auch in Titel und Text (Refrain: „There is no nation of you, there is no nation of me“) nichts als Anspielungen zu erkennen meint: auf „Daydream Nation“ von Sonic Youth, auf die legendäre Hardcore-Band „Nation of Ulysses“ natürlich.

Nun, im neuen Franz-Ferdinand-Produkt, wankt Ulysses nicht mit Dädalus/Telemach zu Molly/Penelope heim, sondern hat offenbar im Rahmen einer wilden Nacht eine Circe (oder einen Circerich, wer weiß) kennengelernt und trotz leichter Kopfschmerzen jede Ambition auf Heimkehr verloren: „Suddenly you know you're never going home...“

Dazu trägt man russische Synthesizer

Das ist aber nur der Epilog, der erste Refrain – der in erster Näherung wie jeder Refrain von Franz Ferdinand klingt – spielt noch im nächtlichen Rausch, eingeleitet wird er von einem anzüglichen Motiv, das so penetrant nach Siebzigerjahre-Synthesizer (Mini-Moog!) klingt, dass es fast schon wieder zeitlos ist.

Franz Ferdinand streuen ja seit geraumer Zeit, dass sie ihr nächstes Album, „Tonight: Franz Ferdinand“, unter Einsatz alter russischer Synthesizer („Polyvox“) einspielen. Was ja fast schon zu gewollt hip klingt, aber bei Franz Ferdinand dürfte es sich ausgehen. Das Album, das dritte nach „Franz Ferdinand“ (2004) und „You Could Have It So Much Better“ (2005) soll am 26.Jänner 2009 erscheinen (nein, eine Band wie Franz Ferdinand braucht doch kein Weihnachtsgeschäft!), die Single „Ulysses“ eine Woche vorher. Man darf annehmen, dass sie vorher schon fleißig gehört wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2008)

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