Die Rumänen wählen – ohne Vertrauen in ihre Politiker. Die Bulgaren verlieren wegen Misswirtschaft 200 Mio. an EU-Fördergeldern. Kam ihr EU-Beitritt 2007 zu früh?
Die Euphorie währte nicht lang. Zu Silvester 2006/07 begrüßte die EU nicht nur das neue Jahr, sondern auch zwei neue Mitglieder – Rumänien und Bulgarien. Doch die Kinder kamen mit Presswehen zur Welt. Brüssel selbst äußerte Vorbehalte, diagnostizierte einen genetischen Defekt im System. Die Seilschaften der kommunistischen Diktaturen bleiben mächtig. Korruption unterwühlt die demokratiepolitischen Errungenschaften. In Bulgarien treiben kriminelle Oligarchen ihr Unwesen. Kaum war der EU-Beitritt geschafft, erlahmte der Reformeifer. Die Neugeborenen entpuppten sich als schwer erziehbare Problemfälle.
So sehen es auch die betroffenen Bürger: Am Sonntag wählen die Rumänen ein neues Parlament, doch die Wahlbeteiligung wird niedrig sein wie nie seit der Wende. Die EU entzieht Bulgarien in einem beispiellosen Akt 200 Mio. Euro Fördermittel, weil es im Kampf gegen die Misswirtschaft keine Fortschritte gibt. Auch Rumänien stellt sie die Rute ins Fenster.
Doch die negativen Schlagzeilen lassen eines vergessen: Die langen Beitrittsverhandlungen haben beide Staaten fest im Westen verankert. Unzählige wenig spektakuläre Minireformen führten zu geordneten Staatswesen. Gerade Österreich profitierte vom Boom, den der Beitritt auslöste. Wenn auch durch die Krise gedämpft, werden beide Länder – anders als Westeuropa – auch 2009 wachsen. Und Brüssel bleiben dank Förderfüllhorn immer noch genügend Druckmittel. Ob zu früh oder gerade richtig: Rumänien und Bulgarien sind Teil der Familie.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2008)