Aber: Das ständige Raunzen, das Geld sei zu wenig, werden sich die Kunstbosse abgewöhnen müssen. Es ist unzeitgemäß.
Kunstmanager lieben Claudia Schmied. Das ist sonderbar, denn eigentlich hat die Kulturministerin wenig bewirkt: Das Budget ist nur geringfügig gewachsen, die Museumsreform blieb weithin unsichtbar. Personalentscheidungen wirkten bis auf die Nominierung der Operndirektion bemüht, auf Nummer sicher zu gehen. Nun bleibt die Bankerin eine weitere Legislaturperiode im Amt, und – oho! – es soll mehr Geld für die Kunst geben: gleich 20 Mio. Euro.
Angeblich. Nach rund zehn Jahren weitgehend eingefrorener Subventionen ist diese Erhöhung notwendig. Doch noch ist nichts beschlossen. Schon ertönt ein Klagechor, der noch mehr frisches Geld verlangt. In Inseraten rufen Museumsdirektoren nach Hilfe, die Theaterchefs sind sowieso immer am Jammern. Man kennt das Ritual: Bald wird der Kanon in eine Kakofonie umschlagen, wenn es um die Frage geht, warum der eine mehr als der andere bekommt. Das wirkt peinlich, in Zeiten, da Menschen ihre halbe Zusatzpension durch unseriöse Berater einbüßten oder gar um ihren Arbeitsplatz bangen. Früher haben die Politiker still genehmigt, was die Kunst forderte. Das ist vorbei. Die Kultur ist daran nicht unschuldig. Ihre Forderungen wirken oft maßlos. Was der Staat tun sollte: das Antikorruptionsgesetz entschärfen. Sponsoren als Korruptionisten zu diffamieren, das ist einfach unfair. Die Kulturbosse hätten dann die Chance, sich unternehmerisch zu beweisen – was viele von ihnen schon bisher ziemlich gut bewältigten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2008)