Archäologie: Herodes' Familiengrab?

(c) AP (Bernat Armangue)
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Im mutmaßlichen Mausoleum des Herrschers wurden zwei weitere Sarkophage gefunden.

Kinder hat er töten lassen, daran gibt es keinen Zweifel. Herodes verteidigte seine Macht mit allen Mitteln. Aber die Kinder, die er – nach historischen Quellen gesichert – töten ließ, waren seine eigenen, Söhne in erwachsenem Alter; dass er sich von einem Säugling bedroht fühlte und deshalb den „Kindermord zu Bethlehem“ befahl, steht nur bei Matthäus, profane Geschichtschreiber wie Flavius Josephus berichten davon nichts. Dafür kennt man von Letzterem den Rest des Lebens des römischen Vasallen gut: 47 v. Chr. wurde er von seinem Vater als Statthalter Galiläas eingesetzt, drei Jahre später – der Vater war ermordet worden, nicht von ihm – übernahm er die Königsmacht, festigte sie mit Geschick und Brutalität, 37 v.Chr. wird er von den Römern zum „König der Juden“ ernannt.

2000 Jahre verschwunden

Er führt Kriege, er treibt das Land ökonomisch voran – zu beispielloser Größe –, vor allem aber lässt er bauen, den neuen Tempel in Jerusalem, die Festung Masada und vieles mehr. Im Jahr 4 v.Chr. stirbt er, seither ist er verschwunden. 1972 nahm der Archäologe Ehud Netzer (Hebrew University) die Spur auf, 35 Jahre suchte er, im Vorjahr wurde er fündig: Im Herodion soll sich der Herrscher beisetzen lassen haben. Das war eine Mischung aus Festung und Freizeitpark – mit Gärten, Schwimmbädern und einem Theater mit 650 Sitzplätzen –, die der Herrscher auf einem teils künstlich aufgeschütteten Hügel 15 Kilometer südlich von Jerusalem errichten ließ. Dort fand Netzer 2007 einen Sarkophag, der kurz und klein geschlagen worden war. Exakt das war das Indiz, dass darin einmal Herodes ruhte – im Herodion verbarrikadierten sich im Jahr 66 aufständische Juden, die mit dem Römerfeind noch nach seinem Tod abrechneten.

Nun ist auch das vermutliche Mausoleum selbst freigelegt – „25 Meter hoch, sehr elegant, es passt zu Herodes' Status“ (Netzer) –, und es haben sich zwei weitere Sarkophage gefunden. Auch sie sind aus Kalkstein, auch sie sind leer, auch sie haben keine Inschriften. Aber Netzer ist sicher, dass in ihnen die zweite Frau des Herodes und eine seiner Schwiegertöchter begraben waren: „Ein Mausoleum wie das, was wir hier haben, wurde für gewöhnlich von einem König errichtet, aber oft nicht nur für ihn selbst, sondern auch für seine Familie.“ (www.huji.ac.il)

Netzer will weitersuchen – wenn er kann: Seit seinem letztjährigen Fund ist das Herodion in den Streit zwischen Palästinensern und israelischen Siedlern geraten.

HERODIANISCHE DYNASTIE

Herodes der Große (73 bis 4 v.Chr.) begründete eine Dynastie in Palästina.

Sein Sohn Herodes Antipas (20 v. bis 39n.Chr.), Tetrarch (Vierfürst) in Galiläa, kommt mehrfach in der Bibel vor: 1) als Mörder des Täufers Johannes auf Bitte seiner Tochter („Salome“); 2) als Autorität, zu der Pilatus den angeklagten Jesus schickt. Herodes schickt ihn wieder zurück zu Pilatus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2008)

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