Tycho Brahes Supernova live!

(c) AP
  • Drucken

Erstmals konnte das Lichtecho einer längst vergangenen Sternen-Explosion beobachtet werden.

„Am 11.Tag des November sah ich fast direkt über meinem Kopf einen neuen und unüblichen Stern, der die anderen Sterne an Leuchtkraft übertraf. Es war ein Wunder, eines, wie es nie vor unserer Zeit gesehen worden war, zu keiner Zeit seit dem Beginn der Welt.“ So erinnerte sich der Astronom Tycho Brahe an die Himmelserscheinung im Jahr 1572, die das alte Weltbild aus den Angeln hob. In ihm war alles am Himmel, was außerhalb des Mondes war, unveränderlich – „Fixsterne“ –, da gab es nichts, was plötzlich aufleuchtete und später wieder dunkel wurde. Nun war plötzlich etwas da, eine „Stella nova“, Brahe beschrieb sie in einem gleichnamigen Buch.

Später nannte man solche Himmelskörper Supernovae, man gliederte sie, nach ihren Lichtspektren, in verschiedene Typen, 1 und 2, noch später bemerkte man die physikalischen Hintergründe. Es geht immer um das Sterben eines Sterns – das sind Himmelskörper wie unsere Sonne, die sich selbst verbrennen –, aber das kann auf zwei Arten passieren: Entweder ist ein massereicher Stern irgendwann ausgebrannt und bricht unter seiner eigenen Schwerkraft zu einem Neutronenstern oder einem schwarzen Loch zusammen (Typ 2). Oder es braucht einen Doppelstern aus zwei weniger massereichen Sternen, die einander umkreisen und leicht zeitversetzt sterben: Erst bläht der eine sich zu einem roten Riesen auf und schrumpft anschließend zu einem weißen Zwerg, dann bläht sich der andere auf und bringt dadurch zusätzliches Material zum Nachbarn, dem weißen Zwerg.

Typ 1a: Sternentod durch Explosion

Der wächst, und wenn seine Masse einen Grenzwert überschreitet – die „Chandrasekar-Masse“: 1,44 Sonnenmassen –, fliegt er in einer Explosion gänzlich auseinander (Typ 1a). Dieser Typ ist bei Astronomen beliebt, er ist die „Standardkerze“ am Himmel, mit solchen Supernovae kann man Abstände zwischen Galaxien bestimmen, an ihnen hat man auch bemerkt, dass sich das Universum ausdehnt („Inflation“).

Und was hat Brahe gesehen? Er hat es natürlich gut beschrieben, aber er hatte nicht die heutigen Teleskope. Dass man mit denen nicht nur in die Tiefe des Raums und der Zeit schauen kann, sondern auch in die Vergangenheit – und zwar so, dass lange Geschehenes in Echtzeit vor den Augen abläuft –, fiel als Erstem Jan Hendrik Oort in den 30er-Jahren ein, aber es war eine nicht realisierbare Idee, die Teleskope waren zu schwach. Das waren sie noch in den 60er-Jahren, als man im Mount-Palomar-Observatorium den ersten Test riskierte.

Nun ist es so weit: „Wir haben das Lichtecho der Supernova Tycho Brahes gemessen“, berichtet Oliver Krause (MPI Astronomie, Heidelberg) der „Presse“: „Sie war Typ 1a“. Das Lichtecho? Wenn eine Supernova erstrahlt, kommt ein Teil ihres Lichts auf direktem Weg zur Erde – das brauchte bei der Supernova Brahes um die 11.000 Jahre –, ein anderer Teil geht in andere Richtungen und wird gestreut, wenn er auf kosmische Staubwolken trifft. Dieses Licht kommt später – und viel schwächer, deshalb sieht man es erst mit heutigem Gerät – auf der Erde an, jetzt hat man es entdeckt, es spiegelt heute, was vor 11.436 Jahren geschah. „Es ist so“, illustriert Krause, „als würde ein Kommissar eine Videoaufnahme der Tat sehen“ (Nature, 456, S.617).

„Man hat schon Lichtechos von anderen Objekten aufgefangen“, erklärt Ernst Dorfi, Supernova-Spezialist der Uni Wien: „Aber noch nie von einer Explosion einer Supernova. Das ist schon etwas Besonderes.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.