Steude: Reimt sich auf Freude

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Treffen sich vier Philharmoniker auf einer
Silvesterparty – kommt ein Kammermusik Quartett heraus. Dabei war der Chef des Steude Quartetts schon nahe dran, die Flinte ins Korn zu werfen.

Leicht ist es nicht“ – Volkhard Steude, Primarius des nach ihm benannten Streichquartetts, bringt die Sache auf den Punkt. Leicht ist das Leben eines Kammermusikensembles sowieso nicht. Schon gar nicht, wenn es sich aus vier Mitgliedern eines prominenten Orchesters zusammensetzt. Und noch weniger, wenn es sich bei dem prominenten Orchester um die Wiener Philharmoniker handelt. Da sind die Erwartungen hochgeschraubt.

Wiener Quartettkultur, das hat vorab etwas mit den Wiener Klassikern zu tun, die die Gattung kultiviert haben: Das Streichquartett als zentrale Aussageform der klassischen Musik (bis herauf zur Avantgarde), in der sich alle ­Tugenden der Kunst vereinen. Höchste Formbeherrschung und subjektiver Ausdruck. Der späte Beethoven hat sich ganz und gar aufs Quartettkomponieren zurückgezogen – und mit seinen letzten Beiträgen zum ­Genre mehreren Generationen von Komponisten Nüsse zu ­knacken aufgegeben.

Den Interpreten auch, versteht sich, Ignaz Schuppanzigh vor allen andern, dem Primarius des ersten Quartettensembles, das je öffentliche Konzerte gegeben hat; in Wien, dann auch in anderen europäischen Metropolen. Der bedeutende Musiker, der sich von den kolossalen Schwierigkeiten, die Beethoven den Musikern in seinem Spätwerk stellt, nicht abschrecken ließ, war in jenen Jahren, da diese Stücke das Licht der Welt erblickten und für Ratlosigkeit sorgten, auch Konzertmeister der Hofmusikkapelle, später sogar Leiter des Kärntnertor-Theaters, also so etwas wie ein philharmonischer Musiker und Kammermusiker in Personalunion.

Die Jüngsten. Damit ist Volkhard Steude einer der Nachfolger dieses Begründers jener Musiziertradition. Dass Konzertmeister der Wiener Philharmoniker – Steude bekleidet diese Funktion seit 1994 – auch dem Quartettspiel frönen, hat gute Tradition. Arnold Rosé war in der Zeit nach 1900 für die Uraufführungen etlicher Werke der Wiener Moderne von Schönbergs „Verklärter Nacht“ bis zu Franz Schmidts G-Dur-Quartett verantwortlich, die legendären Musikvereins- und Konzerthaus-Quartette, ­deren Schallplattenaufnahmen (in Originalpressungen) heute im Internet zu Höchstpreisen gehandelt werden, rekrutierten sich aus philharmonischen Musikern. Auch heute gibt es, vom Küchl-Quartett als dienstältestem aktiven Ensemble angefangen, einige Streichquartette aus philharmonischen Reihen.

Steudes Ensemble ist das jüngste. Es entsprang dem ­Bedürfnis der Musiker, jenseits von Operndiensten, philharmonischen Konzerten und ausgiebigen Proben auch den Wurzeln der klassischen Kompositionskunst nachzuspüren. „Leicht ist es nicht“, sagt Steude auch mit Bezug auf diese Mehrfachbelastung, die nie genügend Zeit für die Kammermusik zu lassen scheint.

Die Richtigen. Und doch fasziniert die vier Musiker genau diese Grenzgängerei besonders. „Ich war“, erinnert sich Steude an seine ersten philharmonischen Klein­abenteuer, „schon dran, die Flinte ins Korn zu werfen, weil es einfach nicht funktionieren wollte. Aber der Zufall wollte es, dass auf einer Silvesterparty einer jener Kollegen zu mir kam, bei denen ich mir immer gedacht hatte: Mit denen könnte es funktionieren.“

Die Richtigen haben sich gefunden. Mit Kirill Kobantschenko, philharmonischem Primgeiger, der aus Novosibirsk und Moskau nach Wien kam, dem Wiener Bratschisten Elmar Landerer und dem Grazer Cellisten Wolfgang Härtel musiziert Steude nun mit Freude. Wie man die richtigen Partner in einem riesigen Kollektiv wie den Philharmonikern finden kann? „Das hat viel mit Sympathie zu tun“, sagt der Primarius, „das ist ein wichtiger Punkt in der Kammermusik, der zu gegenseitiger künstlerischer Befruchtung führen kann.“ Was mit Gesprächen und Diskussionen zusamenhängt, die man vielleicht in Probenpausen führte – und mit der orchestralen Arbeit, die den Musikern die Chance gibt, mit exzellenten Dirigentenpersönlichkeiten zusammenzuarbeiten: „Es macht viel Spaß, mit Könnern wie einem Nikolaus Harnoncourt zu arbeiten, von denen man gerade bei Haydn und Mozart, einem Repertoire, in dem wir uns besonders wohlfühlen, unendlich viel lernen kann.“ ­Eine harmonische Partnerschaft findet das Steude Quartett mit der Wiener Pianistin Barbara Moser, die auch im zweiten Konzert des neuen Abonnementzyklus des Ensembles mitwirkt. Nach einem böhmischen folgt nun das ungarische Programm – nebst Bartóks hochexpressivem Vierten das klangschwelgerisch schöne Klavierquintett von Ernst von Dohnányi: Spätromantik in voller Blüte.

Steude Quartett und Barbara Moser spielen Kodály und Bartók, Musikverein am 9. 12.

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