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Christen in 60 Ländern diskriminiert und verfolgt

Eine Demo in Indien gegen Christenverfolgung
(c) AP (Manish Swarup)
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Eine Plattform spricht von 230 Millionen verfolgten Christen weltweit. Besonders schwierig sei die Lage unter islamisch geprägten Regimes, aber auch Hindu-Fanatiker greifen Christen an.

Die Plattform "Solidarität mit verfolgten Christen" hat am Donnerstag in Wien den "Stopp der weltweiten Christenverfolgung" gefordert. Die Plattform, die sich aus neun verschiedenen kirchlichen und nicht-kirchlichen Organisationen zusammensetzt, möchte anlässlich des 60. Jahrestags der Erklärung der Menschenrechte am 10. Dezember verstärkt auf die Zunahme von Christenverfolgungen aufmerksam machen.

"Religionsfreiheit ist ein Test für alle anderen Menschenrechte", erklärte Johann Marte, Präsident der Stiftung "Pro Oriente". Derzeit werde weltweit jeder zehnte Christ diskriminiert oder verfolgt. Besonders schwierig sei die Situation "in islamisch geprägten, autoritären Regimes". Der "Kampf gegen den Westen" werde seit den Terroranschlägen von 9/11 vom "islamischen oder hinduistischen Fanatismus mit religiösen Motiven aufgeheizt" und Christen würden somit für die "Politik des Westens büßen", so Marte. Der für 10. Dezember geplante Aktionstag hat zum Ziel, auf diese "noch nie dagewesenen" Verfolgungen mit Flugblättern und einem Wortgottesdienst im Stephansdom hinzuweisen und Bewusstsein zu schaffen.

Christen in 60 Ländern diskriminiert

Es gebe weltweit 60 Länder, in denen Christen diskriminiert werden, und in neun Staaten werde die Todesstrafe für eine Abkehr vom Islam verhängt - darunter Saudi-Arabien, der Iran, Afghanistan, Somalia, Pakistan oder Katar, erklärte Kurt Igler von der Österreichischen Evangelischen Allianz. Er richtete auch einen Appell an die heimischen Medien, denn der Bevölkerung sei das "Problem der Tibeter bewusst, die Verfolgung von Millionen Christen aber nicht". Und auch politische Entscheidungsträger hätten oft überhaupt keine Informationen über die Christenverfolgungen. Daher werde sich die Plattform mit einem Brief an den neuen Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) wenden, um auch die Politik zu sensibilisieren, erklärte Christian Zeitz vom "Akademikerbund".

Die Verfolgung entstehe oft aus vorgeschobenen Gründen, wie etwa im indischen Bundesstaat Orissa, wo der christlichen Gemeinschaft der Mord an einem hinduistischen Geistlichen angelastet wurde, erklärte Werner Frühwirt von "Christian Solidarity International". In der darauffolgenden Gewaltwelle, in der die "indische Regierung und die internationale Gemeinschaft wochenlang zugesehen" hätten, seien 500 Christen getötet und rund 50.000 vertrieben worden. Zeitz vom Akademikerbund: "Die Beeinträchtigung der Menschenrechte erfolgt heutzutage weniger durch staatliche Organe, sondern durch religiöse Fanatiker."

Die Plattform möchte nun jedes Jahr zum Jahrestag der Menschenrechts-Erklärung einen solchen Aktionstag veranstalten. Vertreter der Islamischen Glaubensgemeinschaft nahmen an der Pressekonferenz nicht teil. Es bestehe aber, so Zeitz, Kontakt in "vielfältiger Form" und "vielleicht" werde man bei künftigen Aktionstagen gemeinsam an Politik und Medien appellieren.

 

(APA)