Bei der AUA hat sich wieder einmal gezeigt, wie problematisch in diesem Land der Umgang mit kursrelevanten Informationen ist.
Für die leidige VIP (Vienna Insider Party) an der Wiener Börse muss dieser Mittwoch ein Feiertag gewesen sein: Da beschloss die Lufthansa den Kauf der börsenotierten AUA – und 20 Minuten vor Börsenschluss „flashte“ die Meldung über die Agenturbildschirme, dass den Anlegern ein Übernahmeangebot deutlich über dem aktuellen Kurs gemacht wird. An internationalen Börsen in zivilisierten Kapitalmärkten nennt man das „kursrelevante Nachricht“. Dort würde man die betroffene Aktie in so einem Fall rechtzeitig vom Handel aussetzen – oder mit der Nachricht bis nach Börsenschluss warten.
Muss man extra erwähnen, dass die AUA-Aktie in Wien unverdrossen gehandelt wurde (nur knapp vor Börsenschluss wurde kurz gestoppt) und dass der Kurs schon zehn Minuten vor Bekanntwerden der Meldung deutlich hochzuziehen begann? Da haben einige Auskenner bei der folgenden 40-prozentigen Kursexplosion einen schönen Schnitt gemacht.
In diesem Land, wo die Affären Meinl und Immofinanz gezeigt haben, dass viele Unternehmen und Manager kapitalmarktmäßig noch nicht in der Zivilisation angekommen sind, regt das aber niemanden auf. Stattdessen wird die letzte, ohnehin schwache Ethik-Instanz, der Kapitalmarktbeauftragte, abgesägt. Wundert sich eigentlich noch jemand, wieso alle Anleger flüchten und der Verlust der Wiener Börse aktuell nur von Moskau übertroffen wird? (Bericht: S. 27)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2008)