Musik aus dem Nahen Osten: Seit zehn Jahren versammelt Timna Brauer die „Voices for Peace“.
„Zehn Jahre – und es gibt uns noch immer”, freut sich Timna Brauer. Eine Initiative, die in verhältnismäßig friedlichen Zeiten für musikalische Versöhnung im Nahen Osten gesorgt hat, überlebte heftige Attacken: „Inzwischen hatten wir entsetzliche Dinge“, sagt Brauer. „Aber wir haben überlebt.“
Wir, das sind Sänger aus Tel Aviv und Galiläa, ein jüdischer Chor und ein arabischer, in dem Moslems und Christen Seite an Seite einträchtig singen. „Zwei Nationen, drei Religionen“, bilanziert Timna Brauer, „und was das Schönste ist: Unsere Konzerte gelten nicht Beethoven oder Mozart. Wir alle singen religiöse Gesänge aller drei Religionen – Christen singen Jüdisches, Juden Moslemisches, Moslems Christliches, und alle tun es inbrünstig.“
Das kleine musikalische Wunder dieser „Voices for Peace“, die auch in kriegerischen Zeiten nicht aufgehört haben, das Lob des einen Gottes in vielerlei Ausgestaltung zu singen, feiert sein Dezennium mit einem Galakonzert am kommenden Feiertag, dem 8.Dezember, im Wiener Konzerthaus. Die musikalischen Zeichen, die da gesetzt werden, versteht der Hörer wohl sogleich. Timna Brauer: „Wir alle wollen doch in Liebe und Frieden miteinander leben. Und auch jemand wie ich, die ich nicht religiös aufgewachsen bin, spürt die Energie, die in allen diese Gesängen lebt. Ich glaube, das macht es auch möglich, dass orthodoxe Juden und strenggläubige Moslems und Christen, die wir in unserem Ensemble haben, leidenschaftlich und aus Überzeugung mitmachen.“
Wer genau hinhört, kann, so ist die Künstlerin überzeugt, faszinierende Querverbindungen aufdecken, etwa zwischen „gregorianischen Melodien, aber auch den orientalisch klingenden islamischen Gebeten und unseren jüdischen Gesängen. Die Juden waren ja überall und haben alles aufgenommen.“
Die schönste Bestätigung finden die „Friedensstimmen“ dort, wo sie ihr Publikum im wahrsten Sinne des Wortes mit ihrem Gesang „einzufangen“ imstande sind. Brauer: „Wir hatten Freiluftkonzerte, wo die Leute vorbeispazieren wollten, dann stehen geblieben sind, um uns zuzuhören – und nicht mehr weggegangen sind! Das ist die strengste Prüfung.“
Zehn Jahre „Voices for Peace“: Timna Brauer & Elias Meiri Ensemble, der Al Bahat Shefar Amr Choir und das Collegium Tel Aviv; Konzerthaus, 8. Dezember, 19.30 Uhr.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2008)