Was macht gute Soundsysteme aus? Und was haben
Lautsprecher mit Klavieren zu tun? Antworten geben
„Presse“-Musikkritiker Wilhelm Sinkovicz und – natürlich – wieder einmal die Dänen.
Wenn eine Oboe so richtig wie eine Oboe klingt und ein Fagott wie ein Fagott, dann hat man es mit einem guten Soundsystem zu tun“, sagt „Presse“-Musikkritiker Wilhelm Sinkovicz. Man müsse dazu übrigens nicht unbedingt Musikkritiker sein, auch – pardon – Banausen hören das sofort, meint er, „wenn die Musik räumlich gestaffelt wird, wenn sie sich in alle Richtungen ausbreitet, wenn sie dreidimensional ortbar ist“. Letzteres erwähnen auch die Hersteller von guten Anlagen gern: dass der Raum ausgelotet, quasi gescannt wird, um Störfaktoren zu erkennen und zu eliminieren. Das wichtigste Merkmal einer guten Soundanlage ist für Sinkovicz aber die Natürlichkeit der Musik. Eben die Oboe als Oboe, akustisch eins zu eins abgebildet. Und: „Je besser das System, desto mehr kommt die Fähigkeit des Aufnahmeleiters zum Tragen – und umgekehrt: Wo nichts Differenziertes aufgenommen wurde, kann auch nichts hörbar gemacht werden.“
Klotzen statt kleckern. Besonders gute Ohren (oder Aufnahmeleiter?) scheinen übrigens die Dänen zu haben. Denn es ist schon auffällig, was im Bereich der hochwertigen Soundsysteme alles aus dem kleinen skandinavischen Land kommt, Bang & Olufsen ist nur ein Beispiel. Auch dieser Tage wurde wieder eine semidänische Neuigkeit präsentiert, das Steinway Lyngdorf Model C Music System. Das „Steinway“ steht dabei tatsächlich für den 150-jährigen Klavierbauer, das „Lyngdorf“ für Peter Lyngdorf, eine Koryphäe im Bereich Sound und besessen von Klang, seit er mit elf Jahren unzufrieden mit den Beatles-Tönen war, die 1964 aus seinem Kinderkassettenrecorder drangen, wie er dem „Schaufenster“ erzählt. 2007 tat er sich mit dem Klavierbetrieb zusammen, „um den guten Klang von früher mit der Technik von heute zu vereinen“. Auch optisch – „ikonisch“ nennt man das lieber, Verzeihung. Das sieht dann im konkreten Fall so aus, dass die Oberflächen der sichtbaren Soundsystemteile mit ihrem schwarzen Lack frappant an Konzertflügel erinnern.
Und sichtbar ist bei Steinway Lyngdorf ja einiges. Während in den letzten Jahren die Tendenz zu beobachten war, dass Soundsysteme versteckt wurden, war schon der Vorgänger Model D Music System genau das Gegenteil. Nach dem Motto: Ein Klavier verstaut man ja auch nicht in der Wand. Die Teile positionieren sich selbstbewusst im Raum, scheinen zu sagen: „Wenn schon, denn schon.“ Wenn schon viel Geld ausgegeben wird für guten Klang (etwa 45.000 Euro aufwärts), dann soll
man das auch sehen. Protzig wirken die Stücke freilich nicht – präsent vielmehr. Wie ein Konzertflügel oder auch, worauf die etwas kleinere Version Model C Music System nun erinnern soll, ein Stutzflügel. Musikanlage und Möbel gleichermaßen. Vor der Finanzkrise fürchtet sich Lyngdorf nicht: „Wer außergewöhnliche und erfüllende Sounderlebnisse sucht, wird dafür weiterhin Geld ausgeben.“ Und nichts verstecken.