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Nobelpreisträger erwartet Aus für US-Autoindustrie

(c) AP (David Zalubowski)
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Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman glaubt nicht an eine Rettung der US-Autoindustrie. Mit dem staatlichen Hilfspaket habe man sich wohl nur "zwei Monate Zeit gekauft", sagt er.

Der diesjährige Wirtschafts- Nobelpreisträger Paul Krugman glaubt nicht an eine Rettung für die angeschlagene US-Autoindustrie. Drei Tage vor Entgegennahme der Auszeichnung sagte der Professor von der US-Universität Princeton und Autor zahlreicher wirtschaftspolitischer Schriften am Sonntag in Stockholm, mit dem in Washington geplanten Rettungspaket würden wahrscheinlich nur "zwei Monate Zeit gekauft".

Krugman: US-Autokonzerne am Ende

Was danach geschehen könne, wisse er nicht, meinte Krugman. Da die Probleme der führenden US-Autounternehmen aber nicht nur durch die Finanzprobleme, sondern auch strukturell bedingt seien, würden die betroffenen Konzerne am Ende aber wohl verschwinden.

Krugman sprach sich für Regierungsprogramme zur Ankurbelung der Konjunktur aus, wie sie vom künftigen US-Präsidenten Barack Obama geplant in der letzten Wochen unter anderem auch durch die schwedische Regierung aufgelegt worden sind. Damit könne man den "enormen Druck auf die Wirtschaft" mindern.

Die US-Autoindustrie kann in ihrem Überlebenskampf grundsätzlich mit Hilfe des Kongresses rechnen. Der Durchbruch in der erbittert geführten innenpolitischen Debatte erfolgte, nachdem die Demokraten am Freitagabend die Hürden für die Finanzierung beseitigt hatten. Die demokratische Präsidentin des Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi, gab ihren Widerstand gegen die Finanzierung der Auto-Kredite über ein bereits verabschiedetes 25 Milliarden Dollar (19,7 Milliarden Euro) schweres Programm zur Förderung spritsparender Autos auf. Allerdings müssten diese Gelder schnellstmöglich, am liebsten "in wenigen Wochen" wieder dem ursprünglichen Zweck zugeführt werden müssen, betonte Pelosi.

"Wir sollten den Kollaps nicht zulassen"

"Wir sollten den Kollaps dieser Unternehmen nicht zulassen", hatte der Vorsitzende des Finanzausschusses des Repräsentantenhauses, der demokratische Abgeordnete Barney Frank (Massachusetts) am Freitagabend betont. Der "Bankrott" einer der drei großen US-Autofirmen würde ein "wirtschaftliches Desaster" zur Folge haben, so Frank.

Der US-Automarkt war im November um 30 bis 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Die Autokonzerne gaben daraufhin Produktionskürzungen bekannt. Selbst der japanische Konzern Toyota, der mit seinen spritsparenden Modellen bisher relativ gut dagestanden war, teilte am Samstag mit, die Werksferien im Dezember und Jänner in allen Werken in Nordamerika um bis zu zehn Tage verlängern zu wollen.

Obama: "Es gibt keine einfachen Lösungen"

Derweil rechnet der designierte US-Präsident Barack Obama mit einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaftslage in den USA. "Es gibt keine schnellen oder einfachen Lösungen für diese Krise, die in vielen Jahren gemacht wurde, und es wird wahrscheinlich schlimmer werden, bevor es besser wird", hatte Obama am Freitag betont.

Manche US-Wirtschaftsexperten fürchten die schlimmste und längste Rezession in den USA seit dem Zweiten Weltkrieg. Im November verzeichneten die USA mit 6,7 Prozent Arbeitslosigkeit die schlechteste Quote seit 34 Jahren. Dabei schätzen manche Experten die reale Arbeitslosigkeit noch deutlich höher ein. Seit Dezember 2008 sind nach offiziellen Daten 1,91 Millionen US-Arbeitsplätze USA verloren gegangen. Allein im November gab es 533 000 Jobs weniger.

Kredite in Höhe von 15 Mrd. Dollar für die "Großen Drei"

Im Tauziehen um die Milliardenhilfen für die Autoindustrie hatten die von General Motors (GM) und Chrysler bei den Kongress-Anhörungen gesagt, dass sie allein bis zum 31. März 2009 zusammen 14 Milliarden Dollar benötigten, um die laufenden Kosten zahlen zu können. Insgesamt wollen die "Großen Drei" - neben GM und Chrysler auch Ford - 34 Milliarden US-Dollar (27 Milliarden Euro). Im Kongress gibt es allerdings Befürchtungen, dass noch weitere Forderungen nach Finanzhilfen kommen könnten. Laut der "Washington Post" können die US-Autohersteller nun zumindest mit Überbrückungskrediten in der Größenordnung von rund 15 Milliarden US-Dollar rechnen.

(Ag.)