Direktbanken als Krisengewinner

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Die Zahl der Kunden bei Online-Banken steigt – auch Zinssätze sind noch hoch. Besonders gut verläuft auch die Entwicklung der Livebank, der Onlinebank der Volksbank Kufstein.

Wien. Die meisten Unternehmen haben derzeit nicht viel Positives zu vermelden. Anders jedoch die heimischen Direktbanken. Denn sie zählen augenblicklich zu den seltenen Gewinnern der weltweiten Finanzkrise. Die Begründung dafür ist denkbar einfach: Die Zahl jener, die Konten bei einer Direktbank eröffnen, steigt stetig.

So auch bei Bundesschatz.at – den Wertpapieren der Republik Österreich. Seit September gibt es zehn Prozent mehr Kunden – bei insgesamt 55.000 Konten. Die Easybank, eine hundertprozentige Tochter der Bawag PSK und seit 1997 auf dem Markt, verfügt derzeit über mehr als 230.000 Konten. Seit Jahresbeginn kann sich die Bank über Steigerungen im Ausmaß von 24 Prozent freuen. „Auch Spareinlagenzuflüsse haben sich in den vergangenen Wochen erhöht“, heißt es dazu bei der Easybank.

Besonders gut verläuft auch die Entwicklung der Livebank, der Onlinebank der Volksbank Kufstein. Seit Anfang Jänner hat sich die Anzahl der Kunden mehr als verdoppelt, das Einlagevolumen beinahe vervierfacht. Insbesondere im Zeitraum Oktober bis Mitte November war der Kundenzuwachs überdurchschnittlich hoch – rund zwanzig Prozent mehr Sparer eröffneten ein Konto.

Bankdirekt.at, die Direktbank der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, zeichnet auch ein positives Bild. Das Jahr 2008 sei mit derzeit 15.300 Kunden überproportional gut verlaufen. Das Kundenwachstum habe sich seit den ersten Anzeichen der Finanzkrise im Juli bis zum Oktober sogar verdoppelt.

Einfache Produkte

Doch worauf führen die Direktbanken ihren Aufschwung zurück?

Die Antworten sind relativ simpel: Die Kunden wollen verständliche und unkomplizierte Produkte, auf die sie schnell und ohne Umschweife zugreifen können. Zudem vertrauen sie auf die Zusicherung des Staates, dass hundert Prozent der Einlagen garantiert sind. Und das nicht nur in Österreich, denn ähnliche Regelungen gibt es auch in anderen Ländern. Einige der Kunden der ING-DiBa wussten beispielsweise nicht, dass die Österreich-Tochter der deutschen Einlagensicherung unterliegt. Mit intensiver Beratung wurde schließlich versucht, dem Informationsbedarf der Sparer Rechnung zu tragen, wie es dazu aus der ING-DiBa heißt. Doch auch die üblichen Vorteile kommen den Direktbanken in Zeiten der Krise zugute: Da sie über keine teuren Bankfilialen verfügen, können sie vorerst noch verlockende Zinssätze weitergeben. Noch.

Attraktive Zinsen

Denn die Europäische Zentralbank (EZB) verkündete vergangene Woche, dass der Leitzins um 75 Basispunkte von 3,25 auf 2,5 Prozent gesenkt wird. Übrigens die größte Zinssenkung der EZB in ihrem zehnjährigen Bestehen. Die klassischen Filialbanken reagierten prompt. Die Bank Austria etwa änderte die Verzinsung ihres Kapitalsparbuchs mit 13-monatiger Laufzeit um 0,625 Prozentpunkte auf derzeit 3,5 Prozent. Die Zinsen des Produkts „Erfolgskapital fix“ wurden von 4,0 auf 3,6 Prozent gesenkt.

Bei Direktbanken stellt sich die Situation noch anders dar: Die Livebank etwa passt ihre Zinssätze quartalsweise, das nächste Mal zu Jahreswechsel, an die Entwicklung des Drei-Monats-Euribors an, ein Zinssatz, zu dem Banken untereinander Geld ausleihen.

Für die ING-DiBa sind die EZB-Zinsen zwar ein Indikator, der derzeitige Zinssatz von 4,5 Prozent für Neukunden bei täglich fälligem Geld aber bis 31. März 2009 garantiert. Die Easybank plant momentan keine Zinssenkungen. Ob es bis Jahresende Änderungen gibt, ist unklar. Bei Bankdirekt ist die Lage ähnlich: Vorläufig gibt es noch 4,5 Prozent für täglich fälliges Geld. Ob diese Konditionen noch 2009 gelten, bleibt abzuwarten.

Eine anderes Bild zeichnet Bundesschatz.at: Erhält man dort für Einzahlungen am 10. Dezember bei einer Bindung von sechs Monaten noch vier Prozent Zinsen, werden Geldeingänge einen Tag später, nur mehr mit 3,25 Prozent verzinst.

Um ihre Zukunft brauchen sich die Direktbanken bei derzeit etwa 700.000 Kunden nicht zu sorgen. Einer Studie der Uni Innsbruck zufolge könnte die Zahl ihrer Nutzer weiter auf 1,7 Millionen steigen.

Auf einen Blick

Direktbanken: Etwa 700.000 Menschen in Österreich sind Kunden einer Onlinebank. Dass Direktbanken meist bessere Konditionen als traditionelle Institute anbieten liegt an ihrer kostengünstigen Struktur. Direktbanken müssen keine teuren Filialen erhalten, Kundenkontakt gibt es häufig nur über ein Call-Center, und der Zugriff auf das Konto erfolgt primär via Internet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.12.2008)

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