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Simbabwe: Cholera breitet sich sprunghaft aus

Verschmutztes Wasser ist eine der Ursachen für Cholera
(c) AP (Tsvangirayi Mukwazhi)
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Mehr als 15.000 Infizierte und 740 Tote wurden in Simbabwe bereits registriert. Die WHO befürchtet eine hohe Dunkelziffer. Die Epidemie greift unterdessen auf die Nachbarländer über.

Die Cholera-Epidemie in Simbabwe breitet sich immer schneller aus. Die Zahl der offiziell registrierten Fälle sei mit Stand vom 9. Dezember auf 15.572 und die der Todesfälle auf 746 gestiegen, teilte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) am Mittwoch in Genf mit.

Bis 5. Dezember waren nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 14.000 Menschen an Cholera erkrankt und 589 daran gestorben.

Die WHO und andere Hilfsorganisationen gehen aber weiterhin von einer weitaus höheren Zahl aus, zumal mangels ausreichender Versorgung drei weitere Spitäler geschlossen werden mussten. Sie befürchten eine immer schnellere Ausbreitung der Krankheit.

Übergreifen auf Nachbarländer

Die Cholera-Epidemie greift unterdessen auch mehr und mehr auf die Nachbarländer Simbabwes über. Während Südafrika bisher acht Cholera-Tote gezählt hat, wurden aus Mosambik neun, aus Botswana zwei Todesfälle gemeldet. Vergangene Woche waren Cholera-Bakterien im Grenzfluss Limpopo nachgewiesen worden, über den zahlreiche kranke Menschen von Simbabwe auf der Suche nach Hilfe nach Südafrika fliehen.

Auf Wunsch der Behörden in Mosambik führe Südafrika daher weitere Tests der Grenzgewässer durch, sagte ein Sprecher des südafrikanischen Wasserministeriums am Montag. Südafrika nimmt an, dass die Cholera-Kontamination nicht über den Grenzort Musina hinausgeht. Mosambik hatte Ende vergangener Woche 278 Cholera-Infizierte gemeldet.

Südafrika hält Grenzen offen

Trotz dieser Entwicklung hat Südafrika beschlossen, seine Grenzen zu Simbabwe nicht zu schließen. In Südafrika hatte es in den vergangenen Tagen mehrfach öffentliche Forderungen gegeben, den autokratischen Präsidenten Robert Mugabe durch eine vorübergehende Grenzblockade in die Knie zu zwingen.

Innenministerin Nosiviwe Mapisa-Nqakula erklärte jedoch am Dienstag in Johannesburg: "Wirtschaftsflüchtlinge werden stets eine Möglichkeit finden, in Gebiete zu reisen, in die sie nicht reisen sollten. Das kann man nicht verhindern." Die Zahl der nach Südafrika geflohenen Simbabwer wird auf rund zwei Millionen geschätzt.

Rücktrittsforderungen an Mugabe

Die sich durch die Cholera verschärfende humanitäre Lage in Simbabwe hat zu verstärkten Rücktrittsforderungen aus den USA, der EU, Kenia, Großbritannien und Botsuana gegen den umstrittenen Präsidenten Robert Mugabe geführt. Ein sechs Monate nach den Wahlen im März beschlossenes Abkommen zur Bildung einer Koalitionsregierung mit Mugabes Herausforderer Morgan Tsvangirai ist bisher vor allem an der starren Haltung der regierenden ZANU(PF) gescheitert.

(Ag./Red.)