Die schwäbische Hausfrau lebe hoch!

Angela Merkel hat sich in der EU isoliert, weil sie beim Krisenpaket zaudert und knausert. Das ist schlechtes Marketing, aber gute Politik.

Es ist der große Hit im politischen Weihnachtsgeschäft: das Konjunkturpaket. In der Krise macht sich eine neue, weltliche Spiritualität breit. Alles Gute kommt von oben, vom Staat, und je großzügiger er seine Gläubigen beschenkt, desto lauter lobpreisen sie ihn. Auf den Inhalt kommt es nicht an – wer weiß schon, ob Konsumgutscheine, Straßenbau oder Subventionen auf Dauer Freude bereiten. Was soll's: Großbritanniens „Santa Gordon“ Brown schnürt mit seiner Mehrwertsteuersenkung ein Packerl, das womöglich gar nicht beim richtigen Empfänger ankommt.

Aktionskünstler Sarkozy setzt auf Protektionismus zum Ruhme Frankreichs, mit viel Splendeur verpackt. Brüssel hat nichts zu verschenken, schreibt aber realitätsfern normierte Packungsgrößen vor. Wer sich nicht bis weit über das prognostizierte Krisenende hinaus verschulden kann, weicht auf Mogelpackungen aus.

Und Deutschlands Merkel? Spielt einfach nicht mit. Sagt doch glatt, dass es gerade in einer schweren Rezession auf Besonnenheit und Augenmaß ankäme. Und vergleicht sich am CDU-Parteitag stolz mit einer „schwäbischen Hausfrau“. Wie geizig, wie mutlos, wie frei von Esprit! Da wird sie sich am EU-Gipfel diese Woche schwertun gegen ihre Machokollegen, für die nur die Größe zählt. Doch wenn französischer Dirigismus und angelsächsische „Hau drauf“-Politik scheitern, wird die hausbackene Deutsche wieder einmal recht behalten – und auch diesen Sieg schlecht verkaufen. Eine schöne Bescherung! (Bericht: S. 4)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2008)

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