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Wrabetz: „Das ist einer der schwierigsten Jobs“

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Laut ORF-Chef Alexander Wrabetz will die Geschäftsführung an sich selbst sparen. Er wünscht sich eine Umsiedlung des ORF und denkt nicht ans Aufhören.

Die Presse: Bleiben Sie bis 2011?

Alexander Wrabetz: Ja.

 

Küniglberg-Gerüchte erwarten Donnerstag im Stiftungsrat einen Abwahlantrag gegen Sie.

Wrabetz: Davon habe ich nichts gehört. Davon ließe ich mich auch nicht beunruhigen.

 

Mit dem ORF-Budget 2008 und dem mittelfristigen Finanzplan bis 2013 sind Sie am Finanzausschuss des Stiftungsrats gescheitert.

Wrabetz: Ich habe den Antrag zurückgestellt. Es ging um ergänzende Informationen: Der Finanzausschuss wollte zum Beispiel klarer festgelegt haben, welche Maßnahmen schon 2009 wirken und welche erst später. Das wird Donnerstag beantwortet. Es gab keine grundsätzlichen inhaltlichen Alternativvorschläge zum Finanzkonzept.

 

Heuer macht der ORF ein Minus von 100 Millionen Euro, 2009 sind minus 29 Millionen budgetiert – aber nur 50 bis 60 Millionen Euro Einsparungen. Wie geht sich das aus?

Wrabetz: Von den minus 100 Millionen heuer sind 40 Millionen „nur“ buchhalterisch (Bewertung von Wertpapieren zum Stichtag). Wir gehen davon aus, dass sich die Märkte stabilisieren und wir 2009 wieder Erträge vor allem im Anleihe-Bereich erzielen können. Von den übrigen 60 Millionen waren 30 für Olympia und die Euro budgetiert. 2009 werden wir rund 50 Millionen Euro sparen. Aber es ist davon auszugehen, dass die Werbung noch einen Ruck nach unten macht – das sind dann durchgerechnet die 29 Millionen minus, mit denen wir für 2009 rechnen. Da hat es im Stiftungsrat Diskussionen gegeben, ob das nicht noch mehr Verlust sein könnte, wenn die europäische Wirtschaft komplett zusammenbricht.

 

Es gibt Kritik, dass die Ausgliederungen in fünf Jahren nur sechs Millionen Euro bringen.

Wrabetz: Das ist mit vorsichtigen Annahmen berechnet, aber wir brauchen auch diese Einsparung bis 2012. Hier geht es darum, im Einvernehmen mit dem Betriebsrat einmal den grundsätzlichen Diskussionsprozess in Gang zu setzten.

 

Sie könnten auch weitere 35% an der ORS an Raiffeisen verkaufen.

Wrabetz: Das wird im Strategiekonzept im Frühjahr zu beantworten sein. Kurzfristig ist das nicht vorgesehen.

 

Welche Struktur wäre für den ORF optimal?

Wrabetz: Erstens bekennt sich die Bundesregierung im Koalitionsübereinkommen zu einem umfassenden ORF. Das wurde so deutlich schon lange nicht formuliert. Zweitens sagt die Politik, Geschäftsführung und Stiftungsrat sollen Maßnahmen setzen, damit eine ökonomische Umstrukturierung erfolgt. Das werden wir mit der Belegschaft sozialpartnerschaftlich lösen. Wir können nicht auf zusätzliche Mittel vertrauen.

 

Fühlen Sie sich von der Politik in Ihren Entscheidungsmöglichkeiten eingeschränkt?

Wrabetz: Einzeleingriffe hat es bisher nicht gegeben, und ich gehe davon aus, dass es die auch nicht geben wird. Die Politik erkennt an, dass das einer der schwierigsten Jobs im Land ist. Mit unseren Programmen verbringen die Österreicher im Durchschnitt mehr als drei Stunden am Tag.

Wird der Zielmarktanteil '08 von 40% erreicht?

Wrabetz: In der Größenordnung ja.

 

Wird die Geschäftsführung Bonus kassieren?

Wrabetz: Vertragsangelegenheiten kommentiere ich nicht, aber die Geschäftsführung wird ein deutliches Zeichen setzen, dass sie auch bei sich selbst zu sparen bereit ist.

Wo sehen Sie den ORF 2015?

Wrabetz: Ich glaube, wir werden an einem Standort sein und als Markt-, Qualitäts- und Themenführer europaweit eine Landmark darstellen. Das geht aber nur, wenn man auch Kostenführer ist – also diese Qualität zu niedrigstmöglichen Kosten produziert.

Das heißt, es wird übersiedelt?

Wrabetz: Es gibt Standortalternativen zum Küniglberg. Drei bis vier werden bewertet.

 

Wie geht es mit TW1 weiter?

Wrabetz: Die Umwandlung zum Info- und Kulturkanal steht im Regierungsprogramm, aber ganz ohne Gegenfinanzierung wird das nicht gehen. Ein Verkauf wäre wirtschaftlich nicht sinnvoll: TW1 hat jetzt eine technische Reichweite von 80%, da müsste man bei einem neuen Spartenkanal mit dem Aufbau wieder von null beginnen.

 

Was wird aus dem Radiosymphonieorchester?

Wrabetz: Donnerstag wird es Diskussionen, aber keinen Beschluss geben. Selbst Orchestermitarbeiter sagen, wenn es gelänge, dritte Unterstützer zu bekommen, kann das in einer eigenständigen Struktur besser abgewickelt werden. Kritiker sind der Meinung, man müsse erst so einen Förderer finden, bevor man ausgliedert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2008)

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