Korruption: Russen „schmieren“ aus Gewohnheit

(c) AP (Martin Mejia)
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Wenn etwas auf legalem Wege nicht funktioniert, greift mancher Akteur des wirtschaftlichen Lebens eben in die Trickkiste. Aufstrebende Industrienationen greifen besonders gerne zu Bestechungsgeldern.

London/Wien.  Besonders beliebt ist die Methode „Bestechung“ offenbar bei russischen Funktionären, dicht gefolgt von China, Mexiko und Indien. Diese vier Staaten bilden das Schlusslicht im „Bribe Payers Index“ (BPI) 2008, der gestern in London präsentiert wurde. Der BPI – von der Nichtregierungsorganisation „Transparency International“ (TI) erstellt – misst die Bereitwilligkeit von Firmen, im Ausland Bestechungsgelder zu bezahlen. Befragt wurden 2742 leitende Angestellte aus 26 der wichtigsten Exportnationen der Welt.

Mit 5,9 von zehn möglichen Punkten liegt Russland auf dem letzten Platz – Mitarbeiter russischer Firmen sind demnach besonders häufig bereit, zu Schmiergeldern zu greifen, um Projekte zu realisieren. Für den TI-Mitarbeiter Miklos Marschall kommt das nicht überraschend: „Russische Firmen sind es von zu Hause gewöhnt, in einem korrupten Umfeld zu arbeiten“, sagt Marschall. „Es fehlt eine Tradition der Korruptionsbekämpfung und jegliche Form von Kontrolle.“

Unterschiedliche Vorlieben

Russland ist mit seiner Bereitschaft zur Korruption aber nicht alleine. Zwar sind es vorwiegend Schwellenländer, die im BPI schlecht abschneiden, aber auch EU-Mitgliedstaaten wie Italien (7,4 Punkte) glänzen nicht. Firmen verschiedener Herkunft bestechen dabei unterschiedlich gern in verschiedenen Regionen: Indiens Bereitschaft zur Korruption ist bei Operationen in Afrika sehr hoch, China greift in der Pazifikregion gerne zur unlauteren Methode Bestechung. In Europa und den Vereinigten Staaten ist Italien – vor China – am aktivsten. Das Reich der Mitte schneidet auch in Lateinamerika schlecht ab.

Der BPI nennt drei verschiedene Formen von Korruption: Bestechung von hochrangigen Politikern oder politischen Parteien, Bestechung auf niedriger Ebene – um Prozesse zu beschleunigen – und den Missbrauch persönlicher oder familiärer Beziehungen. Russische Firmen bestechen am ehesten hochrangige Politiker, während Mexikos Firmen oft persönliche Kontakte missbräuchlich nutzen. In Indien besticht man oft weniger hochrangige Beamte.

Vorbildliches Österreich?

Österreich ist in der Studie zwar nicht mehr vertreten (2006 wurden mehr Länder untersucht), unschuldig ist es deshalb nicht. „In der typisch österreichischen Gastfreundlichkeit läuft vieles auf informeller Ebene ab“, meint dazu Hubert Sickinger, stellvertretender Vorsitzender des Beirats von Transparency International-Austrian Chapter. „Weiche Formen der Korruption kommen der österreichischen Mentalität sehr entgegen.“ Korruption würde es hierzulande genauso geben wie in anderen Ländern, und Österreicher würden auch im Ausland bestechen. 2006, als Österreich noch im BPI vertreten war, reihte sich das Land auf den vierten Platz. „Man kann davon ausgehen, dass es jetzt ähnlich wäre“, glaubt Sickinger. Dass österreichische Firmen weniger als andere dazu neigen, Operationen mit Schmiergeldern voranzutreiben, liege sowohl an den Regionen, in denen das Land tätig ist, als auch an den Branchen, in denen sich heimische Firmen im Ausland engagieren.

Besonders gut abgeschnitten hat im aktuellen BPI Belgien: Mit einem Wert von 8,8 Punkten liegt das EU-Mitglied auf Platz eins, gleichauf mit Kanada. Auf den vorderen Plätzen rangieren die Niederlande, die Schweiz und Deutschland. Die USA siedeln sich mit Platz neun im oberen Mittelfeld an. Ein Topergebnis hat kein Land erreicht: „Bestechung gibt es überall“, sagt dazu Transparency-International-Austria-Beirat Hubert Sickinger.

Auf einen Blick

■DerBribe Payers Index(BPI) misst die Bereitschaft von Firmen, bei Geschäften im Ausland zu bestechen. Heuer landete Russland am letzten Platz, vor China und Indien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2008)

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