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Alle Großbanken des Landes greifen nach Staatshilfe

(c) Reuters (Sergio Perez)
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Die vom Staat zur Verfügung gestellten 15 Milliarden reichen wegen des großen Andrangs nicht aus. Die von der EU geforderte Verzinsung sorgt für Unmut. Einige Banken müssen nun mehr zahlen.

Wien. In vielen Banken ist die große Hektik ausgebrochen. Fast alle Vorstände haben noch schnell vor Weihnachten ein Treffen mit ihren Eigentümern einberufen. Wichtigster Tagesordnungspunkt: die Inanspruchnahme des staatlichen Hilfspakets zur Bewältigung der Finanzkrise. Die Entwicklung ist bemerkenswert. Noch Anfang Oktober hatten so gut wie alle Bankchefs versichert, dass sie kein Geld benötigen. Nun stellt sich heraus, dass sich alle großen Player in Österreich um die staatlichen Milliarden anstellen. Sogar kleine Institute wie Wüstenrot sind dabei.
Was ist passiert? Viele Banken müssen nun doch mehr uneinbringliche Forderungen abschreiben (Stichwort: Island und Lehman Brothers, angesichts der düsteren Wirtschaftsaussichten aber auch faule Inlandskredite).

Ärger wegen Zinsen

Nationalbank-Chef Ewald Nowotny deutete am Dienstag an, dass die von der Regierung zur Verfügung gestellten Eigenkapitalspritzen von 15 Milliarden Euro nicht ausreichen werden. Hinter vorgehaltener Hand ist schon von 20 Milliarden Euro die Rede. Daher dürfte Kapital aus dem zweiten Teil des Pakets, das Garantien und Haftungen umfasst, umgeschichtet werden. Zu einer Gesamtaufstockung der 100-Milliarden-Hilfe wird es nicht kommen.
Hinzu kommen noch die überraschend harten EU-Auflagen, die dazu führen, dass einige Banken mehr Geld brauchen. Auch die Erste Bank wird unter Umständen nachbessern müssen.
► Vor allem die Verzinsung sorgt für Unmut. Generell sieht Brüssel beim Zinssatz eine Bandbreite zwischen 7,0 und 9,3 Prozent vor. Stimmrechtslose Partizipationsscheine (PS) – wie sie in Österreich vorgesehen sind – sollen allerdings jedenfalls 9,3 Prozent kosten. Das ist eine echte Hiobsbotschaft. Erste-Bank-Chef Andreas Treichl hatte in der Vorwoche gemeint, er erwarte sich für sein Haus einen Zinssatz von acht Prozent.
Allerdings bietet die EU hier einen Kompromiss an: Banken, die ihr Geld vor Ablauf der Fünfjahresfrist zurückzahlen, kommen in den Genuss niedriger Zinsen. Und es gibt noch eine Ausnahme: Zeichnet der Staat nur bis zu 70 Prozent des PS-Kapitals, ist der Zinssatz ebenfalls niedriger.
► Wesentlich ist auch die Dividendenbeschränkung: Laut EU-Vorgabe dürfen maximal 17,5 Prozent des Nettogewinns ausgeschüttet werden. Dies trifft vor allem die Bank Austria – die zuletzt ein Drittel ihres Gewinns an ihre Mutter UniCredit überwiesen hat. Die Einschränkung bei der Dividende fällt jedoch weg, wenn mehr als 30 Prozent des PS-Kapitals von privaten Aktionären gehalten werden.
Angesichts der neuen Vorgaben müssen die Banken ihre bisherigen Berechnungen überdenken. Einige Institute prüfen nun, Gewinnausschüttungen für zwei Jahre komplett zu streichen, um das PS-Kapital früher abbauen zu können. Andere wollen sich mehr Geld holen. Keine Großbank kann aber auf die Milliarden verzichten. Denn die heimischen Institute kommen auf eine Kernkapitalquote („eigenes“ Geld im Verhältnis zur Bilanzsumme) von durchschnittlich sieben Prozent, was im internationalen Umfeld viel zu wenig ist. Nationalbank-Chef Nowotny erwartet sich neun Prozent als Richtwert. Stark im internationalen Geschäft tätige Banken sollten aber noch höher gehen – in Richtung zehn Prozent.

Banken parken Geld bei der EZB

Ein Problem ist, dass viele Institute ihre Einlagen lieber bei der „sicheren“ Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt parken, anstatt die Gelder in Form von Krediten weiterzugeben. Dies sei laut Nowotny „in riesiger Größenordnung“ geschehen. Die EZB werde daher notfalls die Verzinsung dieser Einlagen („ein falsches Signal“) senken. Damit soll der starke Rückgang in der Kreditversorgung, wie ihn die Nationalbank beobachtet hat, gestoppt werden.