Smart Metering: Die Revolution im Zählerkasten

(c) AP (Jens Meyer)
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„Intelligente“ Stromzähler sollen zu mehr Energie-Effizienz führen. Ein weiterer Vorteil ist die höhere Transparenz für die Kunden.

Wien. „If you can't measure it, you can't control it“ („Was man nicht messen kann, kann man nicht steuern“) lautet ein bekannter Satz der Managementlehre. Dieses Problem trifft auch beim Stromverbrauch zu. Die Netzbetreiber wissen zwar, wie viel Strom gerade in ihrem gesamten Versorgungsgebiet verbraucht wird. Niemand kann jedoch sagen, wie viel davon auf einzelne Elektrogeräte oder Haushalte entfällt. Grund dafür ist, dass die gängigen Stromzähler technisch komplett veraltet sind. So wurde der in Wohnhäusern meistverwendete Zähler bereits im 19. Jahrhundert vom Italiener Galileo Ferraris erfunden.

Der monatliche Stromverbrauch der Haushalte wird in der Regel geschätzt und nur alle ein bis zwei Jahre nach der Zählerablesung mit dem realen Verbrauch verglichen. Ein System, das für die heutigen Anforderungen einer möglichst effizienten Nutzung der Netz- und Kraftwerkskapazitäten vollkommen untauglich ist. Die Lösung für dieses Problem soll nun „Smart Metering“ (Intelligente Zähler) bringen. Diese neuen elektronischen Geräte zählen zwar auch nur den Stromverbrauch, zusätzlich erkennen sie aber auch, zu welcher Zeit die Steckdosen angezapft werden und melden das Ganze auch noch sofort an den Netzbetreiber. Dadurch ist es möglich, den Stromtarif abhängig von der Tageszeit zu variieren.

Unterschiedliche Tarife

Zu den Spitzenzeiten (vormittags rund um neun Uhr und abends gegen 18 Uhr) ist die Nachfrage nach Strom europaweit so hoch, dass die Preise im Großhandel um etwa ein Drittel nach oben schießen. Viele Kraftwerke müssen einfach nur deshalb gebaut werden, damit auch in diesen Spitzenzeiten genügend Strom vorhanden ist. Für die Konsumenten macht es aber keinen Unterschied, wann sie den Strom verbrauchen. Gäbe es nun unterschiedliche Tarife, würden viele Menschen beispielsweise ihre Waschmaschinen nicht zu den Spitzenzeiten, sondern etwas später einschalten, wenn der Strom wieder günstiger geworden ist. Das würde die Netze und Kraftwerke entlasten. In Verbindung mit „intelligenten“ Elektrogeräten könnte zudem auch eingestellt werden, dass sich etwa die Kompressoren von Kühlgeräten zu den Spitzenzeiten zeitweise automatisch ausschalten.

Ein weiterer Vorteil von Smart Metering ist die höhere Transparenz für die Kunden. „Viele verbrauchen durch Standby oder alte Geräte viel Strom, ohne es zu merken“, sagt Lars Meckenstock, Energieexperte bei Arthur D. Little. Künftig könnten die Kunden ihren Energieverbrauch in Echtzeit im Internet abrufen und auch sehen, wie er sich verändert, wenn ein Gerät an- oder abgeschaltet wird. Auch Vergleiche des persönlichen Verbrauchs mit dem Durchschnittsverbrauch wären so leicht möglich, so Meckenstock weiter.

Dass Smart Metering kommen wird, ist keine Frage. Die EU propagiert die Einführung, laut aktuellem Regierungprogramm sollen die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden. Fraglich ist jedoch, wer dafür zahlen wird. „Die Vorstellung, dass die Einführung nichts kostet, ist illusorisch“, sagt Meckenstock.

Die E-Control wünscht sich eine Einführung bis 2015, ohne zusätzliche Kosten für die Verbraucher.

„Für das gesamte Land gesehen rechnet es sich auf jeden Fall. Für den Netzbetreiber allein jedoch nie“, sagt Reinhard Brehmer, Geschäftsführer des Netzbereiches bei Wien Energie und Spartensprecher für Netze beim Verband der Elektrizitätswerke Österreichs (VEÖ). Profiteure der intelligenten Zähler seien vor allem die Kraftwerksbetreiber, die zwar meist zum selben Konzern wie die Netzbetreiber gehören, aber von diesen rein rechtlich getrennt sind. „Und auch der Staat hat durch verminderten CO2-Ausstoß einen Vorteil“, so Brehmer.

Streit um 1,5 Mrd. Euro Kosten

Er fordert daher eine Teilung der Kosten. Österreichweit gehe es um 1,5 Mrd. Euro. Neben den Kosten für die Zähler – rund 100 Euro je Stück – müsse vor allem die Informationstechnik ausgebaut werden. „Die Datenmengen, die bewältigt werden müssen, sind gewaltig. Zwei US-Versorger mussten entsprechende Projekte aus diesem Grund bereits abbrechen und verloren dabei 800 Mio. Dollar. Wir sind in Österreich zwar etwas spät dran, dafür machen wir die Fehler der anderen nicht nach.“

Auf einen Blick

„Intelligente Stromzähler“sollen demnächst in Österreich herkömmliche Zähler ersetzen. Sie erhöhen die Transparenz und machen zeitabhängige Tarife möglich. Offen ist, wer die Kosten der Umstellung tragen soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2008)

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