Neuer Intendant bis Sommer 2009 gesucht. Jürgen Flimm geht endgültig 2011, sein Theaterdirektor Thomas Oberender bereits im nächsten Jahr.
Die Salzburger Festspiele suchen eine neue künstlerische Leitung. Dies stand am Dienstagabend fest, nachdem der bisherige Intendant Jürgen Flimm (67) dem Kuratorium überraschend mitteilte, nach 2011 nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Warum geht er weg? „Ich war zehn Jahre in Salzburg, jetzt lockt das Leben und die Heimat“, sagte Flimm als Begründung für seinen Schritt zur „Presse“. Am 15.Jänner2009 soll eine Findungskommission zusammengestellt werden, die bis Sommer einen Intendanten bestimmt, sagte der Vorsitzende des Kuratoriums, Vizelandeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP).
Damit wurde das Nachfolgespiel eröffnet. In Salzburg spricht man von einem Favoriten aus Wien. Klaus Bachler, scheidender Direktor des Burgtheaters, wäre für einige ein Wunschkandidat, doch er hat eben erst die Leitung der Bayerischen Staatsoper in München übernommen und weist entsprechende Spekulationen von sich.
Roland Geyer, Intendant im Theater an der Wien, beantwortete die Frage, ob er nach Salzburg gehen wolle, negativ. Sein Vertrag in Wien läuft bis 2013, mit einer Option auf 2016. „Das Theater an der Wien ist mein Baby. Das braucht noch Betreuung.“ Prinzipiell hält Geyer jedoch die Salzburger Festspiele für eine wunderbare Spielwiese. „Jeder Künstler tritt im Sommer gern in Salzburg auf. Infrastruktur und Umfeld sind sehr gut, und es gibt auch ein großes Budget.“Genannt wird nicht nur in Salzburg der dortige Konzertdirektor Markus Hinterhäuser. Mögliche weitere österreichische Optionen: Matthias Naske, Intendant der Luxemburger Philharmonie, und Christoph Lieben-Seutter, (Chef der Elbphilharmonie in Hamburg). Ein Geheimtipp in Wiener Kreisen: Andreas Mölich-Zebhauser (Intendant in Baden-Baden). An Einflüsterungen wird es also der Findungskommission nicht fehlen.
Offene Worte von Thomas Oberender
Ausgelöst wurde diese überstürzte Entwicklung durch Zwistigkeiten Flimms mit Thomas Oberender. Über den frühzeitigen Abgang des Schauspielchefs von den Salzburger Festspielen war in der Branche bereits seit Wochen geredet worden, die endgültige Entscheidung wurde aber bei der Kuratoriumssitzung am Dienstag zum großen Drama: Der Vertrag mit dem 42-jährigen Ostdeutschen wird kommende Saison beendet, im Laufe der Sitzung wurde dann auch rasch klar, dass Flimm Salzburg den Rücken kehrt. Er will keine Vertragsverlängerung mehr und verhandelt bereits andernorts um einen neuen Posten. „Es gibt ein Leben nach Salzburg. Ich werde in eine andere Stadt gehen, aber es fehlt noch ein Gespräch, die Sache entscheidet sich in zehn Tagen“, sagte Flimm nach der Sitzung.
Die war turbulent verlaufen. Oberender hatte dem Kuratorium seinen Abgang mit einer Verlautbarung geschildert, die von tiefen Unstimmigkeiten mit dem Intendanten kündete. Es habe „Turbulenzen und Stürme mit Tsunami-Charakter“ gegeben, klagte der Theaterdirektor offen. Oberender, der von Flimm 2006 nach Salzburg geholt worden war, fühlte sich von diesem zuletzt regelrecht hinausgedrängt, als Dramaturg und nicht als Schauspielchef behandelt. „Er hat in mir nur einen Mann in der zweiten Reihe gesehen. Ich bedaure, dass 2009 mein letzter Sommer in Salzburg sein wird, ich wäre gern noch geblieben.“
Flimm sagte zu dem Bruch: „Der Bücherschrank ist voller Trennungen. Es ist halt so, wie es ist, wir haben uns getrennt.“ Man habe schöne Spielzeiten gehabt. „Wir haben sehr viel Geld für Salzburg verdient, man müsste uns eigentlich rote Rosen streuen.“ Er glaube auch, dass die Salzburger Strukturen in Ordnung seien. „Nichts findet über die Köpfe der Leute hinweg statt. Das Direktorium steht allen für Ideen offen.“
Bis 2011 wird der Rheinländer, der bereits unter Peter Ruzicka 2002 bis 2004 Schauspielchef in Salzburg war, auch Oberenders Agenda neben der Oper betreuen. Flimm: „Das Opernprogramm steht bis auf eine Produktion bereits fest. Daher sehe ich kein Problem, mich in den kommenden zwei, drei Jahren verstärkt um das Theater zu kümmern“, sagte er nach der Sitzung im ORF. Zur Eile drängt nun aber Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. Es brenne ein bisschen: „Wir haben viel zu tun in diesen schwierigen Zeiten.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2008)