Weihnachtsmänner aus dem Weltall!

Klaatu kommt wieder – und erinnert uns an dunkle Kapitel der Pop-Geheimwissenschaft.

Zu Mariä Empfängnis haben Sie sich, liebe Leserin, im Punsch- und/oder Kaufrausch durch die halbwegs erleuchteten Straßen gedrängt, während Sie, werter Leser, es vorgezogen haben, Krise hin, Krise her, sich trotzig dem Konsum zu verweigern. Oder umgekehrt.

Jedenfalls haben Sie beide sicher nicht daran gedacht, dass es just an diesem Tag 28 Jahre her war, dass John Lennon erschossen wurde, der Mann, der u.a. das Weihnachtslied „Happy Xmas (War Is Over)“ geschrieben hat, Sie haben es vielleicht aus einer der teuflischen Berieselungsapparaturen gehört, die uns den Kaufrausch zum Horrortrip machen.

(Bemerkung in eigener Sache: Jeder Supermarkt, der meine Konsumbereitschaft steigern will, muss nur die lästige Musik abdrehen. Das gilt besonders im Advent, aber nicht nur.)

Bleiben wir bei den Beatles und bei der Zahl 28. „28 IF“ stand auf dem Kennzeichen des VW-Käfers, vor dem die Beatles auf dem Cover des Albums „Abbey Road“ (1969) über die Straße schreiten. Wobei Paul McCartney, damals 27 Jahre alt, keine Schuhe trägt, was Vertreter der „Paul ist tot“-Verschwörungstheorie als Indiz für sein geheim gehaltenes Ableben sahen, so wie John Lennons Murmeln am Ende von „Strawberry Fields Forever“, das wie „I buried Paul“ klingen soll (laut Lennon heißt es „Cranberry Sauce“), wie den Text von „A Day in the Life“, die drei Finger, die Lennon auf dem Cover von „Yellow Submarine“ über McCartneys Kopf hält u.v.a.

Heute können sich wohl die meisten darauf einigen, dass Paul McCartney und Ringo Starr sich unter den Lebenden befinden, im Gegensatz zu ihren Kollegen John Lennon und George Harrison, was eine Wiedervereinigung des Quartetts bei den Menschen unmöglich macht.


Wer aber Freude an solch popkultureller Geheimwissenschaft hat, erinnert sich auch gern an eine Band namens „Klaatu“, von der 1976 das Gerücht grassierte, dass sich dahinter die Beatles verbergen. Dafür sollte u.a. die Zitierung von „The End“ und „Good Night“ in Songs der Band sprechen und die Sonne auf der Vorderseite ihres ersten Albums „3:47 EST“, aber vor allem – nachträglich – das Cover von „Goodnight Vienna“, einem Soloalbum von Ringo Starr: Man sieht ihn darauf als Klaatu, also als den friedfertigen Außerirdischen aus dem Science-Fiction-Film „The Day the Earth Stood Still“ (1951). Eine Neuverfilmung (mit Keanu Reeves) läuft ab heute im Kino.

Sie lesen darüber – und über sämtliche Mystifikationen der Figur Klaatu– morgen, den 12.12., in dieser Zeitung. Einstweilen sei jedem Weihnachtsmann anempfohlen, sich am Vormittag des 24.12. als Klaatu zu verkleiden. Das würde mir den (bedrohlich näher rückenden) ultimativen Weihnachtsgeschenkeinkaufsvormittag mehr versüßen als alle Glöckchen und Lebküchlein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2008)

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