Optimismus für das laufende Geschäftsjahr. Der Umsatz ist um 7,3 Prozent auf 2,397 Mrd. Euro gestiegen.
Wien.EVN-Aktionäre können aufatmen: Obwohl der börsenotierte Energieversorger im abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/08 (zum 30. September) beim Jahresüberschuss einen Rückgang um 17,7 Prozent auf 186,9 Mio. Euro hinnehmen musste, wird das Unternehmen bei der Hauptversammlung am 15. Jänner eine Dividende von 0,37 Euro je Aktie vorschlagen. Dies könnte laut Analystenkreisen mit der Eigentümerstruktur zusammenhängen. Denn das Land Niederösterreich ist mit 51 Prozent der mit Abstand größte Anteilseigner und an hohen Ausschüttungen interessiert.
Der Umsatz ist um 7,3 Prozent auf 2,397 Mrd. Euro gestiegen. An der Börse kam es im Laufe des Jahres dennoch zu starken Kursverlusten: Notierte die Aktie am 7. Januar auf ihrem Jahreshöchststand bei 23,55 Euro, kostet sie derzeit noch elf Euro. Damit hat die EVN-Aktie in etwa doppelt so stark an Wert verloren wie die Verbund-Titel.
Analysten kappen Kursziele
Analysten vermuten, dass es mittelfristig mit der Aktie wieder aufwärtsgehen wird: Denn das Papier sei deutlich unterbewertet. Christoph Schultes, Analyst der Erste Bank: „Die Aktie hat Potenzial, das Konzernergebnis war aber nicht berauschend.“ Das von der Erste Bank ausgegebene Kursziel von 26 Euro wird demnächst zurückgenommen, die positive Empfehlung aber beibehalten. Schultes glaubt, dass die Aktie über ein kurzfristiges Aufholpotenzial von 50 Prozent verfügt.
Seine Kaufempfehlung beibehalten wird UniCredit-Analyst Harald Weghofer: Doch auch er wird das bisher ausgegebene Kursziel von 21 Euro revidieren. „Die Bilanzzahlen waren unter meinen Erwartungen.“ Weghofer erinnert daran, „dass allein der Anteil des Verbunds an der Aktie etwa 7,5 Euro ausmacht.“ Denn die EVN ist mit 12,84 Prozent am Verbund beteiligt. Da die Gaspreise erst im Frühjahr gesenkt werden, erwartet Weghofer ein starkes erstes und zweites Quartal. Zuletzt kam es Anfang November zu einer Erhöhung um 27 Prozent. Die Preise sollen von 15. Jänner an in zwei Schritten um 18 Prozent gesenkt werden.
Kräftiges Wachstum in Osteuropa
Für das laufende Geschäftsjahr 2008/09 ist Vorstandschef Burkhard Hofer optimistisch: „Wir haben keine Risikogeschäfte und bei den Preisen für Primärenergieträger zeichnet sich eine Entspannung ab.“ Investitionen sind weiterhin geplant: Der Konzern will allein in Niederösterreich 750 Mio. Euro investieren. Der bisher eingeschlagene Expansionskurs in Zentral-, Ost- und Südosteuropa wird ebenso fortgesetzt. So soll etwa in Albanien, zusammen mit einem internationalen Partner, ein Kraftwerksprojekt realisiert werden. Das Investitionsvolumen beträgt dort eine Mrd. Euro. Kein Problem hat die EVN mit der Finanzierung der Projekte. Hofer: „Wir haben uns frühzeitig mit Kreditlinien abgesichert.“ Abgesehen davon, stehe die Finanzierung für Albanien noch nicht an. Baubeginn sei erst 2013.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2008)