Das Leben könnte viel früher entstanden sein als bisher vermutet. Und Geburtshilfe könnten einschlagende Himmelskörper geleistet haben.
Am Anfang, vor 4,5 Milliarden Jahren, war die Erde wüst und leer, eine Hölle, die auch in der Wissenschaft so genannt wird: Die ersten 700 Millionen Jahre heißen „Hadaikum“ oder „Hadean“, man stellt sich die Erde in dieser Epoche als Magmameer vor, das erst langsam erkaltete und eine der Bedingungen des Lebens zuließ: flüssiges Wasser. Vor 3,8 Milliarden Jahren war es so weit, dann war auch das „late heavy bombardement“ vorbei, in dem Himmelskörper in großer Zahl in die Erde rasten, erste Bakterien entstanden (ob wirklich so früh, ist umstritten, es gibt keine Fossilien, nur chemische Spuren).
Der Hades, „vom Winter beherrscht“
Aber die da den Hades in die Erdgeschichte einführten, hatten ihren Ovid zu hastig gelesen, in Wahrheit wehten im Schattenreich des Todes eisige Lüfte, „Winter beherrscht und Grau das dornige Land“ (Ovid, Metamorphosen, IV). Und vielleicht war es auch auf der frühen Erde nicht gar so heiß, vielleicht gab es sogar Eis, die Sonne schien damals mit 30 Prozent weniger Kraft als heute. Aber wer könnte das bezeugen? Zirkone. Das ist ein Mineral – eine Verbindung aus Zirkonium, Sauerstoff und Silizium (ZrSiO4) –, das in die ältesten Gesteine der Erde eingelagert ist, in das drei Milliarden Jahre alte Magma aus Australien. Aber die Zirkone selbst sind noch viel älter, das sieht man aus Einlagerungen in ihnen, sie haben Uran, es zeigt ein Alter von 4,4 Milliarden Jahren.
Andere Einlagerungen zeigen, dass diese Zirkone unter eher kühlen Bedingungen gebildet wurden. Die gibt es heute nur an besonderen Stellen der Erde, dort wo sich eine Erdplatte – an einer Küste – unter die andere schiebt. „Es hat offenbar damals schon Plattentektonik und flüssiges Wasser gegeben“, schließt Mark Harrison (UC Los Angeles): „Der Planet war so, wie er heute ist.“ (Nature, 456, S.493)
Das heißt auch, dass die Bedingungen für das Leben da waren. Aber wo kam das Leben her? Vielleicht mit den Himmelskörpern, die im „late heavy bombardement“ niedergingen. Und zwar nicht als Passagier – wie Spekulationen der „Panspermie“ vermuten –, solches Leben hätte die Einschläge nicht überlebt. Sondern durch die Einschläge selbst, durch die Energie, die sie in die Meere brachten. Dabei könnten Biomoleküle entstanden sein, vermutet eine Gruppe um Yoshihiro Furukawa (Sendai). Die Idee lehnt sich an Stanley Miller an, der vor über 50 Jahren seine Ursuppe ersann: Er simulierte eine Uratmosphäre – mit Methan, Wasser und Ammoniak – und ließ Blitze durch sie fahren, Ergebnis waren unter anderem Aminosäuren, Bausteine der Proteine.
„Aus Millers Uratmosphäre kann man einfach Biomoleküle produzieren“, erklärt Furukawa. Aber Millers Atmosphäre hat es nie gegeben, stattdessen gab es viel Kohlendioxid und Stickoxide. Die Japaner nahmen eine realistischere Ursuppe – flüssiges Wasser und Ammoniak – und schossen mit einem Gewehr simulierte Meteoriten durch eine echte Uratmosphäre, von der häufigsten Meteoritenklasse, Chondriten, sie enthalten Kohlenstoff, Eisen und Nickel. „Nach dem Einschlag entdeckten wir unzählige organische Moleküle, darunter Fettsäuren, Amine und eine Aminosäure, Glyzin.“ (Nature Geoscience, 7.12.)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2008)