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Obama will Wirtschaft mit einer Billion Dollar stützen

Obama
(c) AP (Charles Dharapak)
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Die US-Autokonzerne kämpfen ums Überleben und versuchen, bis zum Amtsantritt des neuen Präsidenten Rechnungen hinauszuzögern. Obama kündigte bereits Hilfe an, die könnte jedoch zu spät kommen.

Washington/Berlin/Tokio(ag./red.).Noch fünf Wochen dauert es bis zum 20.Jänner. Dann wird Barack Obama den bisherigen US-Präsidenten George W. Bush ablösen. Obama hat bereits angekündigt, nicht tatenlos zuschauen zu wollen, wie die Autoindustrie zusammenbricht. Auch will der zukünftige US-Präsident nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ ein Konjunkturpaket im Ausmaß von 700 Mrd. bis zu einer Billion Dollar (517 bis 729 Mrd. Euro) über zwei Jahre schnüren. Vor zwei Wochen war erst von 500 Mrd. Dollar die Rede gewesen. Für die Autokonzerne könnte die Hilfe zu spät kommen: Ihre Zulieferrechnungen werden Anfang Jänner fällig.

 

Geld aus Bankenpaket

Nachdem ein geplantes Rettungspaket für die drei großen Autokonzerne General Motors (GM), Chrysler und Ford im Senat gescheitert ist, hofft man nun doch noch auf Hilfe von der Regierung George W. Bush. Das Weiße Haus hat angekündigt, den Einsatz von Geldern aus dem Bankenpaket zur Rettung der Autoindustrie zu prüfen. 15 Mrd. Dollar aus der ersten Tranche des 700 Mrd. Dollar schweren Pakets sind nicht zweckgebunden und könnten daher General Motors und Co. zur Verfügung gestellt werden. Bisher sind jedoch noch keine endgültigen Entscheidungen diesbezüglich gefallen. Wenn sie staatliche Gelder in Anspruch nehmen, müssten sich sowohl Unternehmen als auch Gewerkschaften zu großen Zugeständnissen bereit erklären.

Die Autokonzerne versuchen nun, ihre Rechnungen hinauszuzögern. Bisher war die Branche davon ausgegangen, dass General Motors das Geld ausgehe, falls man bis Jänner kein staatliches Geld erhält. Falls die künftige Regierung aber klar und deutlich Unterstützung signalisiert, könnten die Konzerne ihre offenen Rechnungen ein paar Wochen hinauszögern und eventuell abgesicherte Schuldtitel mit kurzer Laufzeit begeben. Im ersten Quartal will GM einen drastischen Sparkurs fahren: So sollen 250.000 Fahrzeuge weniger als geplant gebaut werden. Das entspricht einem Drittel der Kapazität. Zudem werden 20 Werke in den USA, Kanada und Mexiko vorübergehend stillgelegt.

 

Rettung für deutsche Firmen?

Indes bemüht sich auch die deutsche Bundesregierung um die Rettung der deutschen GM-Tochter Opel. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer forderte ein Rettungspaket für die gesamte Branche in Deutschland. Allein für Zulieferer müsse ein Kreditrahmen von fünf Mrd. Euro her. Der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) lehnte aber Staatshilfen für die Autoindustrie ab. Die deutschen Firmen seien nicht in einer ähnlichen Notlage wie ihre US-Konkurrenten. Mit dem Ruf nach Subventionen machten es sich die Autobauer zu einfach.

Negativmeldungen aus der Autobranche kommen indes auch aus Japan: Toyota muss seine Ergebnisprognose erneut herunterschrauben und dürfte zwischen Oktober und März einen Verlust von umgerechnet 750 Mio. Euro verbuchen. Grund sind anhaltend schlechte Absatzzahlen und die Stärke des Yen gegen den Dollar. Vergangenen Freitag war der Yen zum Dollar mit 88,1 Yen auf den höchsten Stand seit 13 Jahren gestiegen.

Die Auswirkungen dürften weltweit zu spüren sein: Toyota will nun Investitionen zurückfahren. Laut der Wirtschaftszeitung „Nikkei“ soll die Kapazität nicht nur im Werk im japanischen Takaoka nicht weiter ausgebaut werden, auch Produktionsstätten in Brasilien, China und Indien sind betroffen. Der Bau einer Toyota-Fabrik im US-Bundesstaat Mississippi soll verschoben werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2008)