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Madoff-Skandal: Verluste in Milliardenhöhe befürchtet

Bernard L. Madoff
(c) AP (Ruby Washington)
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Die französische BNP Paribas bezifferte den möglichen Schaden auf 350 Mio. Euro, das belgisch-französische Institut Natixis fürchtet Verluste von bis zu 450 Mio. Euro. Auch Österreicher sind betroffen.

Europäische Großbanken sind in den Strudel des milliardenschweren Betrugsskandals um den früheren Nasdaq-Verwaltungsratschef Bernhard Madoff geraten. Die französische BNP Paribas bezifferte den möglichen Schaden am Montag mit 350 Mio. Euro, das von der Finanzkrise ohnehin schwer angeschlagene belgisch-französische Institut Natixis fürchtet Verluste von bis zu 450 Mio. Euro. Österreichische Privatanleger haben 350 Mio. Euro in zwei indirekt betroffene Anlageprodukte, die Primeo-Fonds von Pioneer Alternative Investment Management und die Herald Fonds der Bank Medici, investiert, so die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am Montag.

Wieviel von den 350 Mio. Euro bei Madoff veranlagt wurde und ob die beiden Fonds auch ins Ausland oder an institutionelle Anleger verkauft wurden, ist laut OeNB noch unklar. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) ist bereits mit der Causa befasst. Am meisten betroffen dürfte die Bank Austria sein. Kreisen zufolge soll das Finanzinstitut Primeo-Fonds an mehrere hundert gehobene Privatkunden vertrieben haben. Das Volumen soll sich im niedrigen dreistelligen Millionenbereich bewegen. Offiziell gab es dazu noch keine Stellungnahme. Die Bank-Austria-Mutter UniCredit hat laut Eigenangaben 75 Mio. Euro in dem zusammengebrochenen Investmentfonds Madoffs angelegt.

Aufbau der Nasdaq

Die Kunden der spanischen Gruppe Santander legten insgesamt 2,33 Mrd. Euro bei Madoff an. Konkurrent BBVA rechnet mit Belastungen von bis zu 300 Mio. Euro. Die britische Royal Bank of Scotland bezifferte ihr Risiko auf mehr als 400 Mio. Euro.

Madoff ist Gründer der Bernard L. Madoff Investment Securities LLC. Er war auch maßgeblich am Aufbau der Technologiebörse Nasdaq beteiligt. Zeitweise war er deren Verwaltungsratsvorsitzender. Wegen Verdachts auf massiven Betrug ist Madoff am Donnerstag festgenommen worden, die Konten seiner Fonds wurden eingefroren. Er soll Kunden, die ihr Geld bei seinem Unternehmen anlegten, hohe Renditen versprochen und auch bezahlt haben. In einem Schneeballsystem wurden die Renditen allerdings mit Geldern neuer Anleger finanziert, mit der Finanzkrise brach das System zusammen.

Die Ermittler in New York fürchten Verluste von insgesamt 50 Mrd. Dollar, neben Banken haben auch Dutzende Wohltätigkeitsorganisationen und Privatpersonen ihr Geld bei dem als seriös geltenden 70-Jährigen angelegt. Der Fall traf die Aufsichtsbehörden völlig unvorbereitet. Madoffs eigene Familie machte den Fall öffentlich.

"Einzige große Lüge"

Nach Angaben der US-Ermittler hat Madoff eingeräumt, bei dem Geschäft habe es sich um "eine einzige große Lüge" gehandelt. Tatsächlich sei er seit Jahren zahlungsunfähig. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft und eine Geldstrafe bis zu fünf Mio. Dollar.

Der britische Hedgefonds Man Group investierte nach eigenen Angaben rund 240 Mio. Pfund bei Madoff. Auch Banken in Fernost drohen in den Strudel mit hineingezogen zu werden: Das größte japanische Börseninstitut Nomura Holdings legte 27,5 Mrd. Yen (227 Mio. Euro) bei Madoff an.

Über 1 Milliarde Euro

Über Schweizer Privatbanken sind ebenfalls Gelder in die USA geflossen. Die Genfer Vermögensverwaltungsbank Union Bancaire Privee (UBP) bestätigte am Montag, dass ihre Kunden größere Summen in die Fonds Madoffs investiert hätten.

Experten gehen davon aus, dass die Liste der betroffenen Banken in den nächsten Tagen noch länger wird. Laut Medienberichten drohen unter anderem der größten europäischen Bank HSBC sowie zwei Fonds Ausfälle von über 1 Mrd. Euro. Die HSBC war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Bank Medici ist wegen der Causa mit der HSBC in Kontakt und wartet auf Informationen, so Peter Scheithauer, seit September Vorstand der Bank, am Montagnachmittag zur APA. Details sollen am Nachmittag oder Dienstag veröffentlicht werden.

 

(APA)