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Kirche und Wissenschaft: Prinzipiell dafür, aber ...

Künstliche Befruchtung
(c) EPA (Newcastle University)
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Im Bioethik-Dokument "Dignitas Personae" lehnt die katholische Glaubens-Kongregation künstliche Fortpflanzung und Stammzellen-Forschung ab. Aber sie möchte einen "Dialog mit der Wissenschaft".

Mit einem klaren "Ja zum Leben" und einem entschlossenen "Nein" zu künstlicher Fortpflanzung, embryonaler Stammzellenforschung, Klonen und Produktion von Mensch-Tier-Mischwesen ("Chimären") möchte die katholische Kirche in einen "Dialog mit der Wissenschaft" eintreten. Dazu hat die vatikanische Glaubenskongregation das neue Bioethik-Dokument "Dignitas Personae" veröffentlicht. Entwicklungen in der Biomedizin seien "unannehmbar, wenn sie die Vernichtung von Menschen mit sich bringen oder Mittel gebrauchen, welche die Personenwürde verletzen", heißt es darin.

Das Dokument, das nach seinen ersten beiden Worten "Würde der Person" benannt ist, drückt die kirchliche Anerkennung für eine biomedizinische Forschung aus, die neue therapeutische Perspektiven eröffnet. Wissenschaft sei "ein wertvoller Dienst am umfassenden Gut des Lebens und der Würde jedes Menschen". Die Glaubenskongregation der katholische Kirche reagiert mit ihrer aktuellen Veröffentlichung auf die zahlreichen Entwicklungen im Bereich der Biomedizin in den vergangenen 20 Jahren, die neue ethische Herausforderungen mit sich bringen.

Ethische Kriterien von der Würde des Menschen

Deshalb wird an "das grundlegende ethische Kriterium" von der unverletzbaren Würde jedes Menschen in Erinnerung gerufen: Das Leben jedes Menschen müsse vom seiner Empfängnis bis zum natürlichen Ende geschützt werden. Kriterien der Diskriminierung bezüglich der Menschenwürde auf Grund der biologischen, psychischen, kulturellen oder gesundheitlichen Entwicklung eines Menschen müssten ausgeschlossen werden.

Das Dokument "Dignitas Personae" gilt als Fortschreibung des Dokuments "Donum vitae". Diese aus 1987 stammende lehramtliche Erklärung gibt die verbindliche Position der katholischen Kirche in Bezug auf Lebensschutz, Schwangerschaftsabbruch, künstliche Befruchtung und pränatale Diagnostik wieder. Eine der zentralen Aussagen ist, dass Embryos die gleichen Personenrechte besitzen wie alle anderen Menschen. Das menschliche Leben beginne bei der Befruchtung, der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle. Schwangerschaftsabbruch und vorgeburtliche Untersuchungsmethoden, die die Möglichkeit einer Abtreibung in Erwägung ziehen oder auf eine vorgeburtliche Selektion kranken und behinderten Lebens hinauslaufen, seien sittlich falsch und unerlaubt.

In Weiterführung dieser Positionen gibt das aktuelle Dokument ein klares "Nein" zur "Produktion" von menschlichem Leben im Reagenzglas. Alle Techniken der künstlichen Befruchtung seien abzulehnen, genauso wie Präimplantationsdiagnostik. Die vorgeburtliche Untersuchung von Embryonen, die nach künstlicher Befruchtung implantiert werden, führe zu Selektion und Diskriminierung.

Kritik an staatlichen Ethikkommissionen

Die katholischen Kirche kritisiert auch staatliche Ethikkommissionen. Diese erklären die Verwendung biologischen Materials dann für zulässig, wenn eine klare Trennung zwischen Embryonen-Herstellern und jenen, die damit experimentieren, eingehalten wird. Dieses Kriterium reiche nicht aus, "um eine Widersprüchlichkeit im Verhalten jener zu beseitigen, die zwar das von anderen begangene Unrecht nicht gutheißen, aber zugleich für die eigene Arbeit das biologische Material annehmen, das andere durch dieses Unrecht hergestellt haben".

Die katholische Kirche ist sich der Bedeutung der Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Genetik, Medizin und Biotechnik bewusst, warnt aber auch vor Irrwegen. "In diesen Bereichen, die für die Zukunft der Menschheit große Bedeutung haben, gibt es jedoch auch offenkundige, nicht annehmbare Missstände". Ziel der Instruktion "Dignitas Personae" sei, "alle Betroffenen an die ethische und soziale Verantwortung ihres Handelns zu erinnern".

 

(Ag./Red.)