50 Mio. Euro haben Österreichs Gemeinden bei Finanzgeschäften vermutlich verloren. Musste irgendein Bürgermeister den Hut nehmen?
Eigentlich weiß keiner so genau, wie viel Steuergeld letztendlich verspielt worden ist. Die Gemeindeväter geben sich bedeckt und reden von „noch nicht realisierten Verlusten“. Und selbst der Chef des Gemeindebundes hat den Überblick verloren. 100 Gemeinden könnten 50 Millionen verzockt haben. Wobei er bei dem Wort „verzockt“ die Augen verdreht. Da habe es ganz andere gegeben, die eingefahren sind, meinen die Gemeindeoberhäupter. Und mit „ganz andere“ sind wohl jene gemeint, die sich ausgekannt haben bei diversen Zins-Swaps und dergleichen. Und es seien seriöse Banken gewesen, die die Kommunen in die Bredouille geritten hätten. Und außerdem seien die Gemeinden jahrelang dafür geprügelt worden, dass sie ihr Geld so konservativ veranlagt haben, verteidigt Gemeindebund-Präsident Mödlhammer die Zockerkollegen.
Dabei gibt es bei den Hasardspielen in den Gemeindestuben nichts zu verteidigen. Denn zwischen einem konservativen Sparbuch mit Eckzinssatz und einem mit Krediten finanzierten Zins-Swap-Geschäft liegt ein breiter Korridor der Vernunft und Redlichkeit.
Aber Apropos Redlichkeit und Vernunft: Während die Zocker in den Banken und Konzernen zumindest ihren Sessel räumen mussten, bleibt in den Gemeindestuben alles beim Alten. Oder musste bisher auch nur ein Bürgermeister, der Millionen Steuergeld verjuxt hat, seinen Hut nehmen? Das ist wohl das Privileg der staatlichen Finanzjongleure.
(Bericht: S. 17)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2008)