Die lustigen Nibelungen: Brunhild auf oberbayrisch

(c) Volksoper (Dimo Dimov)
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Die Lied-Spezialistin Birgid Steinberger stellt sich der komödiantischen Herausforderung in der Operette „Die Lustigen Nibelungen“ in der Volksoper.

Es ist nicht die Brunhild von Isenland, sondern von Isar-Land“, Birgid Steinberger bringt die Verwandlung einer ironisch-mythologischen Operettenfigur auf den Punkt: Sie wird die Rolle in Oscar Straus’ „Lustigen Nibelungen“, die von der Volksoper als Satyrspiel zum laufenden „Ring“-Projekt der Staatsoper herausgebracht wird, in ihrer Muttersprache singen, „auf Ur-Oberbayrisch“, wie sie sagt. Womit sich die Gemeinsamkeiten zwischen der Interpretin und der Gestalt, die sie darzustellen hat, schon wieder erschöpft hätten. „Man wird mich da schuhplattelnd erleben. So ein Mannweib wie die bin ich weiß Gott nicht.“

Musiktheater hat ja auch etwas mit Verwandlungskunst zu tun. Sogar für eine Sopranistin, die vorrangig mit sensiblen Mozart-Partien auf sich aufmerksam gemacht hat. Wobei nicht einmal dort ihre ursprünglichen Leidenschaften lagen. „Ich war Studentin bei Kurt Widmer in Basel. Beheimatet war ich im Lied und im Oratorium. Am Anfang hab ich gelitten, sobald ich auf der Bühne stehen musste. Ich hatte ja von Musiktheater keine Ahnung!“

Aufstieg durch Wendeltreppe. Doch war es ein Regisseur, der auf das junge Talent aufmerksam wurde. „Herbert Wernicke hat mich, die Liedstudentin, gehört und vom Fleck weg für seine Fledermaus-Produktion in Basel engagiert. Und die Inszenierung hat gehörig Aufsehen erregt, spielte auf einer Wendeltreppe und war abgesehen von zwei Ausnahmen nur mit Schauspielern besetzt. Die Leute haben sich damals furchtbar aufgeregt. Aber ich muss sagen, es war eine tolle Aufführung, auch musikalisch interessant, weil wir das in einer Art Schönberg-Variante aufgeführt haben. Von Schönberg gibt es ja Arrangements von Johann-Strauß-Walzern für Kammermusikensembles. So war damals die ganze Partitur arrangiert.“

Noch heute gerät Birgid Steinberger ins Schwärmen, wenn sie von diesem, ihrem Debüt erzählt. Also doch Theaterbegeisterung gleich beim ersten Mal im fremden Ambiente. „Im selben Jahr hab ich damals mein Diplom gemacht.“ Danach folgte eine Bühnenkarriere, die an die Staatsopern von Berlin und München und ins Wiener Ensemble führte – vom Liedgesang keine Spur mehr: „Darunter habe ich sehr gelitten und ich versuche, das jetzt ein bisschen wieder umzukehren.“

Mit sensationellem Erfolg übrigens: Steinberger, als Kind einst vom Pfarrer ihrer Heimatgemeinde für den Kirchengesang entdeckt („Ich kann heute noch alle Stimmen vom Sopran bis zum Bass in sämtlichen Messen auswendig!“), war jüngst die Auserwählte, die bei der ersten Verleihung der Hugo-Wolf-Medaille an die Liedlegende Dietrich Fischer-Dieskau in Stuttgart für den Geehrten singen durfte. Lieder von Hugo Wolf natürlich, dem die besondere Zuwendung der Künstlerin gilt. „Fischer-Dieskau hat mir dann einen Brief geschrieben, der des Lobes voll war.“ Die Stimme, so der Doyen, sei für den Liedgesang geradezu prä-destiniert. Ein Adelsprädikat also.

Mit Geschmack. Ob Wien auf die exzellente Liedgestalterin aufmerksam werden wird, steht noch in den Sternen. Mit ihren Auftritten an der Volksoper ist Steinberger im Moment freilich glücklich. Der ungewöhnlichen Herausforderung in der Nibelungen-Operette folgt heuer wieder einmal der „Vogelhändler“, „diesmal aber nicht die Post-Christl, sondern die Fürstin“. Irgendwie ist die Künstlerin da doch auch ganz in ihrem Element: „Operette darf man ja in Wahrheit nicht anders behandeln als Schubert“, sagt sie, mittlerweile auch gesuchte Gesangs-pädagogin, die ihren Studenten die Lehre mitgibt: „Operette muss genauso überlegt und gut gearbeitet werden wie das Lied. Alles muss mit Geschmack passieren. Wenn einer in der Operette schlechten Geschmack beweist, dann rollt es mir genauso die Zehennägel auf, wie wenn das bei Liedern passiert. Außerdem muss die Freude am Genre, die Freude am Singen immer herauskommen. Eine gewisse Leichtigkeit. Es darf nie beschwerlich sein. Auch der ,Vogelhändler‘ ist Kammermusik.“

Die lustigen Nibelungen
Volksoper, Premiere: 20. 12.

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