Energie: „Grundsätzlich ist zu wenig Öl vorhanden“

(c) AP (Hasan Jamali)
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Der Ölpreis ist auf dem tiefsten Stand seit vier Jahren. Laut Experten wird sich das aber bald wieder ändern. Am Mittwoch kürzte die Opec die Förderung um 2,2 Mio Fass am Tag.

wien. Das Ölkartell Opec ist zwar für knapp ein Drittel der weltweiten Ölförderung verantwortlich, sein Einfluss auf den Ölpreis ist in diesem Jahr jedoch nicht besonders hoch. Im Sommer konnten die Fördersteigerungen der Opec den steigenden Ölpreis kaum aufhalten – nun gibt es dasselbe Spiel, nur in die andere Richtung. Wie berichtet, kürzte die Opec am Mittwoch ihre Förderung um 2,2 Mio. Fass (je 159 Liter) am Tag. Dies war die größte Senkung der Förderquoten seit ihrer Einführung im Jahr 1982. Die Wirkung dieser Senkung verpuffte jedoch geradezu. Der Ölpreis gab weiter nach und lag bei der wichtigen US-Sorte WTI zeitweise sogar unter 40 Dollar.

„Unter 50 Dollar nicht gerechtfertigt“

„Es ist zwar möglich, dass der Preis noch ein bisschen nach unten geht. Wir dürften nun aber schon in der Nähe des Tiefststandes sein“, sagt Ehsan ul-Haq, Chefanalyst des auf Öl spezialisierten Energieberaters JBC Energy. Grundsätzlich seien Preise unter 50 Dollar je Fass eigentlich nicht gerechtfertigt. Ähnlich wie es im Sommer einen übertriebenen Ausschlag nach oben gab, dürfte es nun einen nach unten geben. Grund dafür ist die große Unsicherheit über die Auswirkung der aktuellen Wirtschaftskrise auf wichtige Ölnachfrager wie China oder Indien.

Außerdem nehmen die globalen Lagerreserven derzeit rasant zu. Dies hänge einerseits mit dem deutlichen Rückgang der Nachfrage und andererseits mit der sogenannten „Contango-Situation“ zusammen. Letztere bedeutet, dass der Preis für Öl mit sofortiger Lieferung wesentlich günstiger ist als jener mit Lieferung in der Zukunft. Beispielsweise kostet das Öl mit Lieferung im Jänner rund 40 Dollar, mit Lieferung im März kostet es bereits 47 Dollar. Daher wird am Markt viel Öl mit sofortiger Lieferung gekauft und anschließend mit künftiger Lieferung gleich wieder verkauft. Bis es zu dieser Lieferung kommt, muss das Öl aber gelagert werden, was die Lagerreserven erhöht. Laut der Agentur Bloomberg betragen die weltweiten Öllager inzwischen 321,3 Mio. Fass – das entspricht etwa der globalen Produktion von vier Tagen.

Seit dem Höchststand mit 147 Dollar je Fass im Juli hat der Ölpreis schon über 70 Prozent eingebüßt. Ul-Haq glaubt jedoch, dass sich dies bereits bald wieder ändern dürfte: „Grundsätzlich ist zu wenig Öl vorhanden. In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage immer stärker gestiegen als das Angebot.“ Außerdem hätten sich viele Opec-Mitgliedsländer in der jüngsten Vergangenheit nicht in vollem Ausmaß an die vereinbarten Förderkürzungen gehalten. So hat die Opec seit September ihre Förderung bereits um 4,2 Mio. Fass reduziert. Dies dürfte sich nun ändern.

Hinzu komme, dass auch Nicht-Opec-Länder wie Russland Kürzungen in der Förderung angekündigt haben. Zudem gebe es durch den Ölpreisverfall in einigen Ländern auch eine verstärkte „natürliche Förderkürzung“. Das bedeutet, dass die Ölfirmen nicht mehr genügend Geld zur Verfügung haben oder investieren wollen, um die Förderung auf gleich bleibendem Niveau zu halten. „Wir rechnen daher für 2009 mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 75 Dollar je Fass“, sagt ul-Haq. Ein Überschreiten der 100-Dollar-Schwelle erwartet der Ölanalyst im kommenden Jahr aber noch nicht. „Alles hängt sehr stark davon ab, wann die globale Wirtschaft wieder anspringt. Gegen Ende 2010 oder Anfang 2011 wird es aber wahrscheinlich auch wieder einen Preis über 100 Dollar geben.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2008)

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