Roboter: Trojanische Helfer

(c) AP (Kevin Clifford)
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Britischer Forscher warnt vor Gefahren, die die rasch wachsende Roboterschar für die Menschen bringt.

In Stanislaw Lems „Waschmaschinen-Tragödie“ haben die Roboter die Macht übernommen, und zwar in Gestalt von Waschmaschinen, die die Gestalt von Menschen haben: Zur besseren Verkäuflichkeit haben die Waschmaschinenhersteller ihre Produkte immer mehr vermenschlicht, erst haben sie ihnen (sexy) Körper gegeben, dann auch Geist eingehaucht, der sich irgendwann verselbstständigt hat. Als die Menschen das bemerken, beraten sie auf einem Kongress über Gegenmaßnahmen: Ein Redner nach dem anderen geißelt die Gefahren der wild gewordenen Technik – aber ein Redner nach dem anderen wird auch entlarvt, als Waschmaschine, der Berichterstatter entkommt mit Grausen.

Das schrieb Lem Mitte der 50er-Jahre, die Versprechen/Drohungen der „Artificial Intelligence“ waren groß: Demnächst würden Computerprogramme über die Intelligenz von Menschen verfügen. Sie tun es bis heute nicht, aber sie kommen näher, drängen in die Haushalte und auf die Schlachtfelder: Bei Letzteren gibt es keine öffentlichen Statistiken, Erstere bringen es derzeit auf 5,5 Millionen Stück, vor allem in Ostasien leisten sie alle erdenklichen Dienste, manche saugen Staub, andere mixen Drinks, die meisten kümmern sich um die Hausbewohner.

„My Spoon“ füttert einsame Alte

Vor allem um zwei Gruppen, Kinder und Alte. Vielen Kindern sind Roboter mehr ans Herz gewachsen als Teddybären, viele Alte müssten ohne Roboterhilfe ins Heim: Die elektronischen Gefährten erinnern daran, wann Medizin einzunehmen ist, manche waschen die Menschen, einer – „My Spoon“ – füttert sie. „Solche Roboter wecken bei Kindern Neugier und Interesse, sie helfen Älteren, unabhängig in ihren Wohnungen zu leben“, erklärt Computerwissenschaftler Noel Sharkey, University of Nottingham: „Aber sie erhöhen für beide die Gefahr der sozialen Isolation.“

Andere Roboter bringen ganz andere Gefahren, die des Militärs. 5000 sind im Irak und in Afghanistan im Einsatz, viele zum Minenräumen, es gibt aber auch Kampfmaschinen, MQ1 Predator etwa oder MQ9 Reaper, sie werfen Granaten und Bomben. Bisher sind sie Halbautomaten, die von Menschen gelenkt werden, aber Vollautomaten kommen. Und die werden nicht unterscheiden können, ob ein Mensch, auf den sie stoßen, ein gegnerischer Soldat oder Zivilist ist.

„Pflege- und Kriegsroboter sind nur zwei Beispiele für die ethisch problematischen Felder, die ohne öffentliche und internationale Diskussion von Roboteranwendungen durchdrungen werden“, warnt Sharkey und fordert Abhilfe (Science, 322, S.1801). Einer der erfolgreichsten Haushaltsroboter, ASIMO von Honda – er sieht aus wie ein Mensch im Raumfahreranzug –, gibt auch einen Wink. Sein Name erinnert sehr an Isaac Asimov. Der war, wie Lem, ein weitsichtiger Literat und hat 1942 schon Gesetze für Roboter entworfen (s. Kasten).

Gesetze für Roboter

Isaac Asimov, Science-Fiction-Schreiber, entwarf 1942 die nach ihm benannten Gesetze für Roboter. Es sind drei, verkürzt lauten sie so: 1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen. 2. Ein Roboter muss dem von einem Menschen gegebenen Befehl gehorchen – es sei
denn, das würde mit Gesetz 1 kollidieren. 3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen – es sei denn, das kollidiert mit Gesetz 1 oder 2.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2008)

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