Madoff-Skandal: Betrugs-Opfer greifen Bank Austria an

(c) Reuters (Shannon Stapleton)

Gemeinsam mit der Fondsgesellschaft Pioneer soll die Bank Gelder ihrer Kunden gegen deren Wissen bei Bernard Madoff angelegt haben. Die Geschädigten fürchten den Totalausfall und erwägen Schadenersatzklagen.

Wien. Der Madoff-Skandal lässt nicht nur in den USA, sondern auch in Österreich die Wogen hochgehen: Opfer erwägen Schadenersatzklagen gegen die Bank Austria beziehungsweise die UniCredit-Fondstochter Pioneer. Der Prozessfinanzierer AdvoFin prüft den Fall. „Bei uns haben sich einige Anleger gemeldet. Wir sehen uns die Unterlagen genau an“, sagt AdvoFin-Chef Franz Kallinger zur „Presse“.

Der Vorwurf lautet, dass Bank Austria und Pioneer beim Verkauf ihrer sogenannten „PrimeoFonds“ unvollständige Angaben gemacht haben. In den Aussendungen und Werbemitteln wurden ausschließlich die Bank Austria und Pioneer als Fondsmanager angegeben.

Tatsächlich wurde der Großteil des Investments – manche vermuten sogar das ganze Geld – von Madoffs Firmen verwaltet. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich hörte, dass nun meine Ersparnisse weg sein sollen“, empört sich ein Bank-Austria-Kunde. Laut Angaben der Nationalbank sind in Österreich Privatanleger mit 350 Mio. Euro vom Betrugsfall betroffen. Rund die Hälfte der Summe soll auf Kunden der Bank Austria entfallen.

 

350 Mio. Euro Schaden in Österreich

Wie berichtet, hatte der einst als Börsenstar gefeierte Wall-Street-Banker Bernard Madoff zugegeben, die Gelder nicht angelegt, sondern ähnlich einem Pyramidenspiel immer weiter verteilt zu haben. Im Zuge der weltweiten Finanzkrise ist das Kartenhaus zusammengebrochen. Insgesamt dürfte ein Schaden von 50 Mrd. Dollar (36 Mrd. Euro) entstanden sein.

In Österreich gehörten die Produkte „Primeo Select Fund“ und „Primeo Executive Fund“ von Pioneer (Eigentümer: Bank Austria-UniCredit) sowie die Herald-Fonds der Wiener Bank Medici, an der die Bank Austria mit 25 Prozent beteiligt ist, zu den Kunden von Madoff. Die Fonds wurden vom Handel ausgesetzt. Deren Inhaber müssen sich unter Umständen auf einen Totalausfall einstellen.

Ein Anleger zur „Presse“: „Ich habe meine Ersparnisse gerade deswegen in Primeo-Fonds angelegt, weil ich angenommen habe, dass mit der Bank Austria eine österreichische Bank dahinter steht.“ Es sei in sämtlichen Prospekten immer die Rede gewesen, dass die Bank Austria beziehungsweise die Fondsgesellschaft Pioneer die Investments verwaltet und kontrolliert.

Die Primeo-Fonds wurden 2001 vom „Bank Austria Worldwide Funds Management“ gegründet – 2003 wurde eine weitere Tranche aufgelegt. „Die ständige Überwachung des Portfolios wird ein mögliches Maß an Transparenz und Sicherheit für die Anteilsinhaber gewährleisten“, heißt es in einer Fonds-Mitteilung. Vor zwei Jahren hatte die Bank Austria im Zuge eines Konzernumbaus ihr ganzes Fondsgeschäft mit der UniCredit-Tochter Pioneer zusammengelegt. Seitdem scheint in den Primeo-Berichten „Pioneer Alternative Investments“ als Fondsmanager auf. Von Madoff ist wieder keine Rede.

 

Bank Austria: „Sind nicht zuständig“

Die Bank Austria weist jede Schuld von sich. Das Institut habe in den Beratungsgesprächen die Kunden stets auf das Risiko hingewiesen. Es müsse jedem klar gewesen sein, dass es sich bei den Primeo-Fonds um riskante Produkte gehandelt habe. Wegen des Vorwurfs unvollständiger Angaben in den Prospekten verweist die Bank auf die UniCredit-Tochter Pioneer: „Wir haben die Primeo-Gesellschaft 2007 an Pioneer verkauft. Daher sind wir dafür nicht mehr zuständig“, so die Bank Austria.

Die Stellungnahme von Pioneer: „Wir sind überzeugt davon, dass wir allen rechtlichen Verpflichtungen im Zusammenhang mit diesen Fonds nachgekommen sind. Aufgrund der derzeit auch für die zuständigen US-Behörden nicht transparenten Situation können konkretere Aussagen zu diesem Zeitpunkt noch nicht getroffen werden.“

In Österreich hat die Madoff-Affäre vor allem wohlhabende Leute erwischt. Zu den Opfern gehören einige Prominente. Das Mindestinvestment bei den Primeo-Fonds lag bei 50.000 Euro. Allerdings gab es auch Banken und Finanzberater, die Madoff-Produkte schon ab 3000 Euro angeboten haben.