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Toyota: "Stehen vor beispielloser Notlage"

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Der japanische Branchenprimus Toyota fährt den ersten operativen Verlust seit 71 Jahren ein. Dieser beträgt 1,2 Milliarden Euro. Die Jahresprognose wird erneut zurückgeschraubt.

Erstmals in der Geschichte des Unternehmens erwartet der weltgrößte Autobauer einen operativen Verlust. Toyota stehe vor einer beispiellosen Notlage, teilte das Unternehmen am Montag nach Börsenschluss mit. Gerechnet wird für das laufende Geschäftsjahr (Toyotas Geschäftsjahr beginnt am 1. April und endet am 31. März) mit einem operativen Minus von umgerechnet 1,7 Milliarden Dollar (1,2 Mrd. Euro), berichtete die Wirtschaftszeitung "Nikkei" am Montag. Unterm Strich erwartet Toyota aber einen Nettogewinn von rund 50 Milliarden Yen (etwa 400 Millionen Euro).

Absatzflaute trotz richtiger Modellpolitik

Bisher hatte Toyota vom reißenden Absatz spritsparender Modelle profitiert und Rekordgewinne eingefahren. Angesichts stark gestiegener Spritpreise in den USA verkauften sich die kompakten, sparsamen Geländewagen und umweltfreundlichen Hybridmodelle in den Vereinigten Staaten hervorragend. Auch in Europa erfreuten sich angesichts des gestiegenen Klimabewusstseins die sparsamen Modelle immer größerer Beliebtheit.

Doch auch am weltgrößten Autobauer geht die Krise nicht vorbei. Im November war der Absatz in den USA, dem für Toyota profitabelsten Markt, um 34 Prozent gesunken. Auch in Europa waren die Absatzzahlen um 34 Prozent eingebrochen.

Prognose um 700.000 Stück reduziert

Toyota schraubte seine Erwartungen für 2008/2009 herunter und rechnet nur mehr mit dem Verkauf von 7,54 Mio. Autos. Bisher war von 8,24 Mio. ausgegangen worden.

"Dies ist sehr, sehr, sehr schlecht", sagte der Analyst Koichi Ogawa von Daiwa SB Investments. "Es besteht die Möglichkeit, dass das Unternehmen auch im kommenden Jahr rote Zahlen schreiben muss."

Als Konsequenz kündigte Toyota an, die Investitionsausgaben im nächsten Geschäftsjahr drücken zu wollen. Zudem sollen die Fixkosten um zehn Prozent gesenkt werden und die Bonus-Zahlungen für das gehobene Management für dieses Geschäftsjahr gestrichen werden. Pläne zur Kündigung von fest angestellten Mitarbeitern gebe es allerdings nicht. Auch über die Dividendenpolitik sei noch keine Entscheidung getroffen worden. Medien berichteten zuvor, dass Toyota die Streichung der Dividende erwäge.

Opfer des hohen Yen

Die Autobauer weltweit leiden derzeit unter rapide sinkenden Absatzzahlen. Auch anderen japanischen Herstellern wie Suzuki oder Nissan macht zudem der starke Yen zu schaffen. Denn er drückt die Gewinne oder verteuert ihre Produkte im Ausland, während aber die Kosten in Japan in Yen gleich bleiben.

Ein Rechenbeispiel soll diesen Effekt verdeutlichen:

Angenommen, ein Toyota RAV4 kostet 2.000.000 Yen. Der Ausgangskurs sei 1:100, man bekommt für einen Euro also 100 Yen. Somit kostet das Auto 2.000.000:100 = 20.000 Euro. Steigt nun der Yen-Kurs auf z.B. 1:80 (man bekommt also für einen Euro nur noch 80 Yen), so kostet das gleiche Auto mit dem gleichen Yen-Preis 2.000.000:80 = 25.000 Euro. Um diesen höheren Europreis würden aber wahrscheinlich weniger Autos verkauft werden. Daher wird am Markt der Europreis (fast) gleichbleiben. Das führt dazu, dass Toyota in Japan weniger Yen für seine Autos bekommt.

 

 

(Red.)