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Keine Kapitulation vor dem Zeitgeist

Die Zukunft der Kirche kann nur in der Rückbesinnung auf ihre Wurzeln liegen: Gedanken zur Bischofssynode.

Die römische Bischofssynode zur Familienpastoral hatte es wahrhaft in sich. Sie löste nicht nur in der behäbigen vatikanischen Welt, sondern auch weltweit gleich mehrere geistige Erdbeben aus. Erstmals in der Kirchengeschichte versucht ein Papst – in vielleicht gut gemeintem Reformeifer –, eine 2000-jährige kirchliche Lehre und Praxis über den Haufen zu werfen, die doch als unveränderliches göttliches Vermächtnis gilt.

Als ebenso einmalig dürfte die äußerst heftige Gegenreaktion unter den Bischöfen einzustufen sein: Hohe Kirchenvertreter wie Kardinal Napier oder Großerzbischof Schewtschuk warfen dem Papst vor, „nicht wiedergutzumachenden Schaden“ angerichtet zu haben, bzw. forderten ihn auf, den Katechismus der katholischen Kirche zu studieren. Der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz sprach gar von einer „ehefeindlichen Ideologie“, die der Familie in den Rücken falle. Aber auch in der Laienwelt erhitzten sich die Gemüter. Der renommierte italienische Historiker Roberto di Mattei etwa sprach vom Gewissensdrama, sich heute der höchsten kirchlichen Autorität widersetzen zu müssen.

Dies alles kommt nicht von ungefähr. Es bestand tatsächlich die Gefahr, mit der „neuen pastoralen Barmherzigkeit“ ein Trojanisches Pferd in die Kirche einzuführen, das die auf den Geboten Gottes gegründete Moral durch eine Schilfrohrmoral ersetzen sollte, vom Zeitgeist hin- und hergeworfen, die eigentlich nur noch eines zu sagen hat: „Jeder kann tun und lassen, was er will, und das mit dem Segen der Kirche.“

Die pastorale Liebe soll selbstverständlich alle Menschen ohne Ausnahme umfassen, gerade jene in schwierigen Lebenssituationen. Echte Barmherzigkeit besteht aber darin, Menschen, deren Leben im Widerspruch zum Evangelium steht, jedwede Hilfe anzubieten, damit sie ihr Leben in Einklang mit Gott bringen können.

Dass ein beträchtlicher Teil der Bischöfe bei der Synode an diese elementaren Werte des Christentums erinnert und den Mut gefunden hat, gegen eine zersetzende Aufweichung der kirchlichen Lehre zu protestieren, halte ich für ein erfreuliches Signal für die Kirche von heute, die an innerer Zerrissenheit und Orientierungslosigkeit leidet.

 

Unveränderliche Botschaft

Die Zukunft der Kirche kann nicht in der Kapitulation vor dem Zeitgeist liegen, sondern einzig in der Rückbesinnung auf ihre Wurzeln. Die Kirche muss ihre von Christus empfangene Sendung treu erfüllen. Sie hat den Völkern aller Zeiten die unveränderliche Botschaft des Sohnes Gottes zu verkünden, die keine Anpassung an Zeitverhältnisse nötig hat. „Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen“, sagt Jesus. Nur so vermag sie den Menschen wirklich zu helfen und sie zum ewigen Leben zu führen, was ja ihre ureigene Aufgabe ist.

Die Piusbruderschaft hat sich immer in diesem Sinn eingesetzt. Dass dieser Weg der Tradition nicht ganz falsch sein kann, zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahre. In zunehmendem Maß fühlen sich gerade junge Menschen von der traditionellen Lehre und Liturgie der Kirche angezogen und verspüren den Wunsch, ihr Leben dem Dienst Gottes und der Kirche zu weihen. In diesem Jahr sind 67 junge Männer in unsere Priesterseminare eingetreten, die teilweise aus den Nähten platzen, sodass zum Beispiel in den USA zurzeit ein riesiger Neubau entsteht. Wenn wir nach den Worten Christi den guten Baum an seinen Früchten erkennen sollen, scheint mir das von unserem Gründer, Erzbischof Lefebvre, initiierte „Experiment der Tradition“ zukunftweisend zu sein.

 

Pater Stefan Frey, 55, gebürtiger Schweizer ist Distriktoberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. für Österreich. Die Piusbrüder haben sich von der katholischen Kirche abgespaltet.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2014)