Während die Konjunktur zusammenkracht, wird in aller Ruhe weiter um Details des Bankenschutzschirms gestritten.
Unternehmen und Privatleute, die Kredit wollen, machen in letzter Zeit eine interessante Entdeckung: Hatte ihnen ihr Kreditreferent Geld bisher nach der Greißlermethode („Darf's ein bisserl mehr sein?“) geradezu nachgeworfen, so regieren in der Kreditabteilung jetzt die Pfennigfuchser und Sicherheitsfanatiker. Das nervt, ist aber grundsätzlich einmal positiv: Zu lockerer Umgang mit Bonitätskriterien war ja ein, wenn auch nicht der einzige Grund der globalen Krise.
Andererseits ist Kredit der Treibstoff der Wirtschaft. Wenn es da Engpässe gibt, dann haben wir – das sieht man ja gerade – ein ernstes Problem. Banken, die Geld nicht in Schwung halten, sondern bei der Notenbank bunkern, braucht wirklich niemand.
Um die Banken funktionsfähig zu halten, haben die Regierungen ihre aus Steuerzahlergeld gewobenen Bankenschutzschirme erfunden. Deren Sinn sollte es übrigens sein, einen Schutzschirm über die rezessionsbedrohte Wirtschaft zu legen. Nicht nur über die Bankbilanzen. Welchen Schutzschirm, fragen Sie jetzt? Tja, der wurde zwar vor Wochen groß angekündigt, aber es gibt ihn wirklich noch nicht. Ministerialbeamte und Bankenchefs feilschen nämlich seit Wochen um irgendwelche zweitrangigen Details, während draußen die Konjunktur zusammenkracht. Und das ist der wahre Skandal. Da klemmt mehr als ein bisschen Kredit. Also: Etwas mehr Verantwortungsbewusstsein, meine Damen und Herren Verhandler! (Bericht: S. 19)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2008)