Continental: Wird aus dem Coup des Jahres der große Flop?

(c) AP (Thomas Kienzle)
  • Drucken

Vor wenigen Monaten sah alles noch ganz anders aus - die Finanz- und Autokrise sorgen nun für ein denkbar schlechtes Umfeld für einen auf Pump finanzierten Milliardenkauf in der Autobranche.

Wien. Die „listige Witwe“ dürfte derzeit nicht gut schlafen. Noch im Sommer wurde Maria Elisabeth Schaeffler, die in Wien aufgewachsene Firmenchefin des deutschen Autozulieferers Schaeffler, als geniale Taktikerin gefeiert. Mithilfe eines Konsortiums von sechs Banken hatte sie sich an den dreimal so großen Continental-Konzern herangeschlichen und ihn nach einem kurzen, aber heftigen Übernahmekampf geschluckt. Vergangene Woche wurde der Deal von der EU-Kommission abgesegnet – eigentlich ein perfektes Weihnachtsgeschenk für Schaeffler. In den vergangenen drei Monaten hat sich die Welt allerdings verändert: Finanz- und Autokrise sorgen nun für ein denkbar schlechtes Umfeld für einen auf Pump finanzierten Milliardenkauf in der Autobranche.

Schaeffler droht sogar die eben erst gewonnene Kontrolle über Continental in den kommenden Monaten wieder zu verlieren. Laut einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ gibt es in den Verträgen mit dem Bankenkonsortium nämlich einen Passus, wonach die Banken auf die Continental-Aktien zugreifen können, wenn die Verschuldung von Schaeffler im Jänner über 10,5 Mrd. und im Juli über 7,5 Mrd. Euro liegen sollte. Nach Zahlung des Kaufpreises hält Schaeffler bei einer Verschuldung von knapp zehn Mrd. Euro. Angesichts des globalen Absatzeinbruchs in der Autobranche und der angespannten Lage für sämtliche Autozulieferer ist es fraglich, ob das bayrische Unternehmen im kommenden Jahr genügend Cashflow erwirtschaften kann, um seine Schulden zu senken. Weitere Kredite zu erhalten dürfte eher schwierig sein.

Auch Conti hat einen Schuldenberg

Diese Zwangslage bei Schaeffler heizt den vor einigen Wochen erneut ausgebrochenen Machtkampf zwischen dem Conti- und dem Schaeffler-Management zusätzlich an. Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen Geißinger schrieb bereits Anfang Dezember an die Geldgeber von Continental, dass die Kreditverträge mit Conti nur nach Rücksprache mit ihm geändert werden dürfen. Auch Conti hat einen gewaltigen Schuldenberg auf den Schultern. Durch die Übernahme der Autosparte von Siemens im Sommer 2007 hat Conti Schulden in Höhe von elf Mrd. Euro. Dennoch will Schaeffler mehr als die Hälfte der eigenen Schulden der größeren Tochter Conti um den Hals hängen.

Dass Conti die Schulden für die eigene Übernahme aufgebürdet bekommen soll, stößt beim dortigen Management auf wenig Gegenliebe. Die Messer zwischen den Unternehmenszentralen fliegen seit Wochen tief. Vor allem zwischen Geißinger und dem Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg – der im Sommer für die Übernahme war – ist viel Porzellan zerschlagen worden. Schaeffler kann den Conti-Aufsichtsrat jedoch nicht einfach austauschen, da im Sommer eine Vereinbarung geschlossen wurde, wonach Schaeffler vier Jahre lang nur 49,9 Prozent der Aktien besitzt und den Rest (etwa 40 Prozent) bei Banken parkt. Bricht Schaeffler diese Vereinbarung, gäbe es einen offenen Krieg zwischen den beiden Unternehmen.

Die Profiteure sind bislang die Conti-Aktionäre, die das Kaufangebot im Sommer annahmen. Sie erhalten von Schaeffler 75 Euro je Aktie – an der Börse würden sie nur noch knapp unter 30 Euro bekommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

Continental Schaeffler
International

Schaeffler braucht für Einstieg bei Conti bis zu 7 Mrd. Euro

Der bis vor kurzem als beste Lösung erachtete Verkauf der Conti-Gummisparte ist wegen des schlechten Marktumfelds derzeit keine Option. Nun ist unklar, woher das Geld kommen soll.
Schaeffler
International

Bei Schaeffler droht massiver Stellenabbau

Laut einem Experten des Instituts für Wirtschaft und Arbeit der Universität Bremen sind bei dem Autozulieferer bis zu 80.000 Jobs in Gefahr. Schaeffler wird sich demnach von seiner Gummisparte trennen müssen.
Maria-Elisabeth Schaeffler
International

Schaeffler unter Druck: "Bin keine Schicki-Micki-Dame"

"Ich arbeite hart für das Unternehmen", sagt Maria-Elisabeth Schaeffler, die in Kritik geratene Chefin des hoch verschuldeten deutschen Autozulieferers Schaeffler.
Schaeffler
International

Widerstand gegen Staatshilfen für Schaeffler

Der deutsche Autozulieferer Schaeffler hat sich bei der Übernahme des Zulieferers Conti überhoben und braucht neues Eigenkapital. Kritische Stimmen fordern, die Übernahme abzusagen.
Continental braucht Unterstützung
International

Continental braucht eine halbe Milliarde Staatshilfe

Continental und sein neuer Großaktionär Schaeffler sind mit 22 Milliarden Euro verschuldet. Nun sollen Niedersachsen und Bayern den Unternehmen unter die Arme greifen.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.