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Designerstücke, Biedermeier und das unmögliche Möbelhaus

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Geschmäcker sind verschieden – auch bei der Frage, wie Ressortchefs ihr Umfeld gestalten. Dass die Ausstattung von Ministerbüros etwas kostet, ist in anderen Ländern ein Selbstverständlichkeit.

WIEN. Bei allem Understatement, das Werner Faymann an den Tag legt: Wenn es sich die neuen Minister in ihren Amtsräumen gemütlich machen, müssen sie sich nicht auf das „unmögliche Möbelhaus“ (Ikea) verlassen. Die Auswahl ist größer, als es die getroffene Wahl des Neokanzlers vermuten lässt. Der ließ nämlich den extra-eleganten Holzschreibtisch von Vorgänger Alfred Gusenbauer entfernen und setzt auf übliches Büromobiliar, an dem sich auch einfache Schreibtischtäter abrackern müssen.

Es ist wohl auch Macht der Gewohnheit dabei, dass sich Faymann seine Büroausstattung aus dem Infrastrukturministerium nachliefern hat lassen. Mit der Bestellung eines Transporters war es freilich nicht getan. Ein derartiger Umzug braucht einen offiziellen, beamteten Charakter: Und so nennt er sich Sachgüteraustausch und tritt in Aktion, wenn ein Ministerium dem anderen großzügig seine Werte überlässt. Womit Doris Bures ohne Büromöbel dastand. Glück nur für die neue Infrastrukturministerin, dass sie im Gegensatz zu ihrem Vorgänger auf eine Staatssekretärin verzichtet hat. Christa Kranzls Exbüros standen also leer und die Möbel praktischerweise schon im Eigentum des Bures-Ministeriums.

Dabei hätte sich die Ministerin durchaus etwas Schönes aus der Schatzkiste der Republik holen können – von der Bundesmobilienverwaltung. Schließlich sitzen der Kanzler und viele Minister in repräsentativen Palais und könnten, zur perfekten Präsentation unserer Geschichte, auch auf das passende barocke oder klassizistische Mobiliar zurückgreifen. Doch nicht jeder ist im Computerzeitalter mit einem Biedermeierschreibtisch glücklich. Claudia Schmied zum Beispiel hat vor einem guten Jahr ein Statement als Kunstministerin gesetzt und das antiquierte Ambiente gegen ein Designerbüro getauscht, das sie sich von MAK-Direktor Peter Noever einrichten ließ. Dass das Ganze 38.000 Euro gekostet hat, sollte den Steuerzahler nicht bekümmern. Das kunstvolle Mobiliar bleibt schließlich sein Eigentum.

Dass die Ausstattung von Ministerbüros etwas kostet, ist in anderen Ländern ein Selbstverständlichkeit. Es muss ja nicht die Neuverlegung eines blauen (statt roten) Teppichs sein, wie ihn der damalige FPÖ-Vizekanzler Hubert Gorbach um 7000 Euro im Palais Dietrichstein anordnete. „In Frankreich oder England ist es üblich, für jeden Minister alles neu zu machen. Da gibt es keine Neidgenossenschaft, schließlich sind die Ministerbüros auch ein Ausweis des Staates“, findet Ilsebill Barta. Sie ist wissenschaftliche Leiterin der Bundesmobilienverwaltung und hat an die 20.000 Möbel „zum Jonglieren“. Der Rest der 65.000 Objekte ist fix an Botschaften verliehen oder auch für Minister zu wertvoll und steht im Museum.

Jedes Haus hat aber auch seine mehr oder weniger wertvollen Möbel, die es selbst verwaltet. Um welche Schätze es da geht, darüber weiß am besten Manfred Matzka Bescheid. Der Präsidialchef des Bundeskanzleramts hat ein Buch zum Thema verfasst („Vieler Herren Häuser“). Das Kanzleramt leistet sich sogar einen eigenen Haustischler. „Es zahlt sich aus“, findet Matzka. Schließlich ist die alte Hof- und Staatskanzlei neben Hofburg und Parlament wohl das repräsentativste Haus Österreichs. Die Stilmöbel lagert man deshalb auch nicht im Keller oder auf dem Dachboden, sondern in beheizten Zimmern.

Woran es liegt, dass das historische Mobiliar schon so lange nicht in die Kanzlerzimmer fand? Das sogenannte Kreisky-Zimmer im bombardierten Trakt der Staatskanzlei atmet Nachkriegsflair und ist von oben bis unten holzvertäfelt. Wolfgang Schüssel war das als Erstem zu viel. Er kehrte dem düsteren Raum den Rücken, der im Übrigen seit Kurzem wieder mit den Möbeln des „Sonnenkönigs“ ausgestattet ist und als Sitzungszimmer dient. Schüssel zog also ins alte Arbeitszimmer von Metternich, entschied sich für moderne Möbel und brachte eigene Bilder mit. Nachfolger Alfred Gusenbauer zog nicht um, liebte es aber doch klarer im Design. Und Werner Faymann hat wie erwähnt weder mit alten noch mit neuen Stilmöbeln etwas am Hut.

 

Nur die Familienfotos ausgetauscht

Diese Wahl hätte mancher Minister wohl gerne. Denn in den neuen Glaspalästen gibt es selten Veränderungsspielraum. Das Finanzministerium ist so ein Beispiel. Es logiert derzeit in einem gläsernen Turm mit großteils schöner Aussicht im dritten Bezirk, bis das Winterpalais des Prinzen Eugen in der Himmelpfortgasse generalsaniert ist. Und so übernahm Josef Pröll das Büro im 12. Stock von Wilhelm Molterer nahezu unverändert. „Die Familienfotos auf dem Schreibtisch wurden ausgetauscht“, so Pröll-Sprecher Daniel Kapp. Zwei Stockwerke unter dem Minister sitzt Staatssekretär Reinhold Lopatka – ein Schwarzer, man möchte es angesichts der roten Innenraumdekoration und der sichtbar aufgestellten Gusenbauer-Biografie kaum glauben.

Eindeutig der Ärmste ist allerdings Gesundheitsminister Alois Stöger. Er ist mittlerweile das einzige Regierungsmitglied, das sich nicht aus dem Achtzigerjahre-Monster in der Radetzkystraße 2 verabschiedet hat. Seine Vorgängerin Andrea Kdolsky hat versucht, dem drückenden Ambiente mittels Feng-Shui zu Leibe zu rücken. Es hat nicht viel gebracht. Stöger bleibt noch, sich wie viele seiner Kollegen zumindest ein aufheiterndes Kunstwerk aus der Artothek des Bundes zu holen. Für eine Kostbarkeit wie einen belgischen Gobelin aus dem 17.Jahrhundert, den das Kunsthistorische Museum ans Kanzleramt verleiht, ist Stögers Büro aber (in vielerlei Hinsicht) entschieden zu klein. So etwas passt eben nur ins ehemalige Stiegenhaus eines Fürsten Metternich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2008)