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Skigebiete: Grenzenloses Wachstum

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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In Tirol und Salzburg ist das drittgrößte Skigebiet der Welt geplant. Gegen die Zusammenschlüsse und Ausbaupläne regt sich aber Widerstand von Umweltschützern.

Innsbruck/ Salzburg/ Klagenfurt/ Graz. Die Weihnachtsfeiertage sind um und pünktlich, beinahe wie bestellt, erreicht Österreich zwar eine eiskalte, in den Bergen aber sonnige Schönwetterfront. Mit einem Wort: Perfektes Berg- und vor allem Skiwetter. Was sich in erster Linie für die Tourismusbranche wie ein verspätetes Weihnachtsgeschenk anfühlen muss. Vor allem weil man sich für die kommende Saison in manchen Regionen einiges vorgenommen hat. Neue Lifte sollen gebaut werden, die Skigebiete somit (noch) weiter wachsen.

Wie etwa zwischen Tirol und Salzburg. „Über 400 Kilometer präparierter Pisten, Skifahren ohne Unterbrechung vom Tiroler Ellmau bis ins Salzburger Mittersill.“ Hannes Winkler, Aufsichtsratsvorsitzender der Ellmauer Bergbahnen, rührt bereits seit Wochen die Werbetrommel für den geplanten „großen Zusammenschluss“ der sieben Skigebiete in der Region Wilder Kaiser.

Schon heute können Gäste mit nur einer Liftkarte in der „SkiWelt Wilder Kaiser Brixental“ alle Seilbahnanlagen der sieben Gebiete benutzen. Noch fehlen aber rund 2,5 Kilometer Piste, sprich ein Sessellift auf der Kitzbüheler Seite des Spertentales, bis aus der „SkiWelt“ eines der drei größten zusammenhängenden Skigebiete der Welt wird. Nur im kanadischen Whistler-Blackcomb sowie im französischen Trois Vallées stehen Schneehungrigen mehr Pistenkilometer zur Verfügung. „2009 oder 2010 soll es soweit sein“, kündigt Winkler an. Noch seien aber „einige Hausaufgaben zu erledigen“, sagt Georg Hechenberger, Vorstand der Kitzbüheler Bergbahnen. Etwa die Einigung mit allen betroffenen Grundeigentümern sowie grünes Licht aller beteiligten Behörden.

Kritik am geplanten Mega-Skigebiet kommt indes vom Österreichischen Alpenverein (ÖAV). Peter Haßlacher von der Fachabteilung Raumordnung und Naturschutz des ÖAV spricht angesichts der Ausbaupläne von „Tiroler Gigantomanie pur“. Denn das Spertental sei als „höchst schutzwürdiges Gebiet einzustufen“. Ein Teil des Tales ist überhaupt ausgewiesenes Schutzgebiet, in dem gemäß Tiroler Raumordnungsgesetz ein Liftanlagenbau rechtlich unmöglich sei, so Haßlacher: „Irgendwann muss Schluss sein.“ Denn ob Gäste diese Riesengebiete überhaupt abfahren können, sei „mehr als fraglich“.

 

„Ökologischer Irrsinn“

Die Grüne Landtagsabgeordnete Maria Scheiber bezeichnet das geplante Projekt als „ökonomischen und ökologischen Irrsinn“. Immer größere Skigebiete seien „Lösungen von gestern“. Anstatt die Kapazitäten zu erhöhen, fordert sie, die unberührte Natur zu erhalten und mit ihr verstärkt auch auf Sommertourismus zu setzen.

Kritik, die in Tirol, der tourismusintensivsten Region der Welt mit rund 42 Mio. Nächtigungen auf knapp 700.000 Einwohner, nicht gern gehört wird. Umweltschutzbedenken lässt Winkler nämlich nicht gelten. Die Seilbahnwirtschaft in Österreich gehe, im internationalen Vergleich, mit den natürlichen Ressourcen „sehr schonend um“.

 

Blaukehlchen-Nester als Bremse

Auch in Salzburg laufen Umweltschützer und Grüne gegen ein Ausbauprojekt Sturm. Im kleinen Gletscherskigebiet Weißsee im Salzburger Pinzgau will der Zeller Hotelier und Liftbetreiber Wilfried Holleis mit einem neuen Lift das Skigebiet attraktiver machen: Der Tauernmooslift könnte neue Pisten am Gletscher erschließen.

Durch den Lift würde eine unberührte und besonders schützenswerte Landschaft zerstört, ist Salzburgs Umweltanwalt Wolfgang Wiener strikt gegen das Projekt. Ein weiterer Grund für die Ablehnung: Die Nistplätze des streng geschützten „Rotsternigen Blaukehlchens“ liegen im Bereich des geplanten Liftes. Um den Brutplätzen auszuweichen, hat Holleis die Trasse des Sessellifts mittlerweile sogar umgeplant. Den Umweltschützern ist das zu wenig, sie sind grundsätzlich gegen die Erweiterung.

In Salzburg haben derartige Proteste mittlerweile aber fast Seltenheitswert. Die jährlichen Millioneninvestitionen in die Skigebiete sind weitgehend akzeptiert. Allein im heurigen Sommer investierten die Salzburger Seilbahnen 73 Mio. Euro in neue Lift- und Beschneiungsanlagen. Neue Skigebiete werden in Salzburg nicht mehr erschlossen, gebaut werden dürfen aber Liftanlagen, die bestehende Gebiete miteinander verbinden.

In der Steiermark haben die Skigebiete für diese Wintersaison noch einmal 36 Mio. Euro investiert. Neben einzelnen Liftanlagen samt neuer Pisten wie am Kreischberg im oberen Murtal oder auf der Hochwurzen bei Schladming konzentrieren sich sich die Ausgaben vor allem auf Beschneiungsanlagen, um in den im Vergleich zum Westen Österreichs nieder gelegenen steirischen Skigebieten die gewünschte Schneesicherheit garantieren zu können. Proteste dagegen bleiben weitgehend aus.

 

Kunstschnee-Mekka Kärnten

Ähnlich ist die Situation in Kärnten. Abgesehen von den Jahrhundertschneefällen in diesem Dezember hatte man in den letzten Jahren vor allem mit schneearmen Wintern zu kämpfen. An die 17 Mio. Euro haben die Unternehmer allein im vergangenen Sommer in die Hand genommen und in Beschneiungsanlagen investiert.

Dafür sind die Kärntner Skigebiete jetzt die „meistbeschneiten“ in ganz Österreich: 80 Prozent der Pisten im südlichsten Bundesland sind mit Schneekanonen ausgestattet. Skizentren wie die Gerlitzen, das Nassfeld oder die Petzen können zu 100 Prozent technisch beschneit werden. Und mit dem Wetter haben die Kärntner im österreichischen Durchschnitt mehr Glück. Für die kommenden Tage gilt aber: Strahlend blauer Himmel in ganz Österreich. Wie gesagt, ein echtes Weihnachtsgeschenk für die Tourismusbranche – und alle, die Ferien haben. ars/bene/hoe/c.l.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2008)