Da kann selbst Putin noch was lernen

Beim Versuch, den Erdgaspreis wieder hochzukriegen, sieht Wladimir Putin gegen EVN und Wien Energie ziemlich alt aus.

Die Zeit des billigen Erdgases ist vorbei“, hat Wladimir Putin kürzlich beim Versuch, eine Art Erdgas-Opec auf die Beine zu stellen, verkündet. Pech nur, dass sich das auf dem Weltmarkt bisher noch nicht herumgesprochen hat: Dort war Erdgas zum letzten Mal vor eineinhalb Jahren so billig wie jetzt. Seit dem Preishöhepunkt im vergangenen Sommer ist der Erdgaspreis um stolze 57 Prozent gefallen.

Verständlich, dass der Russenpremier, dessen Land sehr stark von Energieexporten abhängt, da nervös wird. Der Gute hat eben das völlig falsche Vorbild: Er sollte sich nicht an der (derzeit auch ziemlich erfolglosen) Opec orientieren, sondern am Quasikartell der Austroenergieversorger. Da haben es beispielsweise die niederösterreichische EVN und die Wien Energie geschafft, mitten in den freien Fall der Gaspreise hinein die Konsumententarife für Erdgas um 28 beziehungsweise 21 Prozent zu erhöhen. Mit dem Argument, dass ihr Einkaufspreis mit sechsmonatiger Verzögerung an den Ölpreis gekoppelt ist.

Demnächst, nach einem weiteren dramatischen Preiseinbruch, werden diese Tarife um 18 beziehungsweise 10,5 Prozent gesenkt. Bleibt unterm Strich mitten im größten Energiepreisverfall der jüngeren Geschichte eine nette Nettokonsumentenpreiserhöhung von knapp fünf Prozent in Niederösterreich und neun Prozent in Wien. Und als Draufgabe noch das Preissenker-Image. Gegen unsere Landesenergiekaiser ist er halt doch ein Anfänger, der Herr Putin. (Gaskonflikt S.17)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2008)

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