Ein Dank an Jürgen Flimm

Mit einem Mal sieht man viel klarer. Seine Arbeit, so verkündete der Intendant der Salzburger Festspiele, Jürgen Flimm, hätte er bis 2011 eigentlich gemacht.

So könne er alsogleich seinen neuen Verpflichtungen an der Berliner Oper unter den Linden nachkommen. Der Salzburger Opernspielplan bis dahin steht ja hoffentlich tatsächlich bereits fest. Andernfalls könnte er 2010 und 2011 so zusammengeflickt und besetzungsmäßig mittelmäßig aussehen wie jener für 2009. Viel anderes als die vier bis fünf Opernpremieren hat Flimm ja offenkundig wirklich nicht zu verantworten. Dergleichen hat man sich in Wahrheit immer schon gedacht, denn es gibt in Salzburg schließlich auch einen Verantwortlichen für das Konzertleben; er heißt derzeit Markus Hinterhäuser und sorgt in der Tat dafür, dass ins Salzburger Programm so etwas wie ein erkennbares Konzept kommt. Und auch das Sprechtheater – das auch dann so heißt, wenn der Hauptintendant, Flimm, mit seinem Theaterintendanten, Oberender, nicht spricht – hat eben besagten Theaterintendanten. Sponsoren streichelt die Frau Festspielpräsidentin. Womit alle Unklarheiten beseitigt wären, die schon entstanden, als Flimms Vorvorgänger behauptete, seine Tätigkeit sei mindestens mit so viel Aufwand verbunden – und daher mindestens so viel wert – wie jene des Wiener Operndirektors, damals, nota bene, Staats- und Volksopernchef, also für 600 Aufführungen pro Saison verantwortlich.

Jürgen Flimm hat mit seiner ehrlichen Feststellung, dass er in Salzburg eigentlich nichts mehr verloren habe, Gérard Mortiers einstige Aussage konterkariert. Hat halt nicht g'stimmt. Haben wir halt die Herren Intendanten ein bisserl hoch bezahlt, eineinhalb Jahrzehnte lang. Danke für die Aufklärung! Müssen wir nun endlich statt eines Managers wieder eine charismatische Galionsfigur finden, die den Festspielen Profil verleiht. Wie einst Herbert von Karajan – parallel Chef der Berliner Philharmoniker und der Wiener Staatsoper, für Salzburg aber vor allem: der berühmteste Vertreter seiner Zunft.


wilhelm.sinkovicz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2008)

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