„Willkommen in der Slowakei“, jubeln unsere Nachbarn dem Euro entgegen. Ihre euphorische Vernunft täte auch vielen Österreichern gut.
Wer öfters mit Hans Dichand auf eine Melange geht – Leser der gleichnamigen „Live“-Rubrik tun sich das jede Woche an – weiß auch, was wir vom Euro halten sollen: „Den guten alten Schilling bezeichnen wir doch immer wieder als unsere richtige Währung.“ Aber mit „Gottvertrauen“ könnten wir auch die „Folgen dieses Währungstausches überstehen“. Ach ja.
Kurz zur Erinnerung: Der „Währungstausch“ fand buchmäßig schon vor zehn Jahren statt – in den Geldbörsen landete der Euro 2002. Mit seinen „Folgen“ sind wir bestens vertraut: Stabilität, dem Ende zerstörerischer Devisenspekulation und der EU als globaler Wirtschaftsmacht. Auch dass Europas Bürger im Herbst nicht ihre Banken stürmten wie damals, 1931, verdanken wir zu einem Teil ihm.
Kein Wunder, dass man in der Slowakei, die als 16. Staat am 1. Jänner umstellt, die Einheitswährung voll Euphorie begrüßt. Schon im Voraus erwies sie sich als Segen: Während Zloty, Forint und Pfund in der schweren See der Krise absoffen, lag die Slowakische Krone schon fest verankert im sicheren Eurohafen.
Die Österreicher aber vertrauen lieber auf Gott und den alten Mann von unserer „Krone“. So viel Zucker können wir in unsere Melange gar nicht schütten, dass sie nicht bitter schmeckt – nach dumpfer Angst vor dem Neuen, Fremden und Großen. Ein Tipp für Silvester: Der Sekt, mit dem die Slowaken auf den Euro anstoßen, mundet mehr. (Bericht: S. 1)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.12.2008)