Sabine Haag, ab 1. 1. Generaldirektorin, wünscht sich hohe staatliche Investitionen, startet mit einem Open House und „Karl dem Kühnen“.
Die Presse: Ihr erster Gedanke am 1.Jänner?
Sabine Haag: Endlich ist es so weit! Das Trockenschwimmen ist zu Ende – und ich kann umsetzen, was ich mir vorstelle.
Die wichtigsten Programmpunkte sind vorgegeben: Kunstkammer, Völkerkundemuseum, alles seit Jahren aufgeschobene Projekte.
Haag: Für die Kunstkammer stehe ich mit meiner ganzen Person. Meine Bestellung sehe ich als Signal der Ministerin, dass sie diesem Projekt absoluten Vorrang geben wird. Wir warten jetzt die Budgetverhandlungen ab, die im Februar stattfinden, und hoffen, dass wir bald mit der Umsetzung beginnen können. Mit dem Museum für Völkerkunde sind derzeit intensive Gespräche im Gange, ob und wie man das Volkskundemuseum einbinden könnte .
Werden die beiden Museen fusioniert?
Haag: Das Ministerium ist hier aktiv geworden. Das Volkskundemuseum ist ein Verein, der in der Laudongasse beheimatet ist, das Palais ist baulich desolat. Es gibt einen Diskussionsprozess, ob es eine sinnvolle Verbindung der beiden Museen geben kann.
Die Schausammlung des Österreichischen Theatermuseums soll neu gestaltet werden.
Haag: Ja. Das ist das dritte große Projekt. Es gibt aber noch viele andere.
Für Kultur stehen künftig insgesamt nur 20 Mio. Euro mehr zur Verfügung. Und selbst das ist nur ein Versprechen. Mit den vielen Forderungen, die ja auch von anderen Institutionen eintreffen werden, geht sich das nie aus.
Haag: Die Ministerin hat immer wieder gesagt, dass alles, was mit Infrastruktur und baulichen Maßnahmen der Häuser zu tun hat, über Sonderfinanzierungen geht.
Mit Sponsoren ist es jetzt schwierig. Spüren Sie schon etwas von der Finanzkrise?
Haag: Wir spüren unmittelbar noch nichts von der Finanzkrise. Aber bei den Besucherzahlen, im Tourismus könnte sich das schon auswirken. Sponsoren, auch für die Kunstkammer, aufzutreiben sehe ich als eine meiner vorrangigsten Aufgaben an. Durch meine Berufung an die Spitze des Hauses, dadurch auch, dass ich eine Frau aus der jüngeren Generation bin, haben sich da neue Möglichkeiten aufgetan.
Wenn eine Fee kommt und sagt, Sie haben drei Wünsche frei, was wünschen Sie sich?
Haag: Erstens ausreichend Geld für das Museum, die 17 Mio. Euro für die Kunstkammer, ca. sechs bis acht Mio. Euro für das Völkerkundemuseum. 1,5 Mio. Euro für das Theatermuseum. Mein zweiter großer Wunsch wäre eine differenziertere Besucherstruktur, z. B. mehr Österreicher, mehr Junge. Das dritte sind infrastrukturelle Verbesserungen im Haus: Eingang, Shop, Restaurant, Ausstellungsflächen.
Am 24.1. starten Sie mit einem Open House?
Haag: Wir wollen ein Statement zu Beginn meiner Amtszeit geben: Was kann anders, was kann besser werden? Mir ist es wichtig, das Haus zu öffnen, neue Besuchergruppen anzusprechen. Der Eintritt in alle Sammlungen des Hauses wird am 24.Jänner frei sein. Es wird Führungen geben, auch backstage. Wir haben insgesamt 170 Veranstaltungen von durchschnittlich einer halben Stunde. Wir wollen zeigen, was die Kuratoren, was die Restaurierungswerkstätten machen, wie Ausstellungen vorbereitet, Kataloge produziert werden usw. Ferner sind Round-Table-Gespräche und Filmvorführungen geplant. In der Hofjagd- und Rüstkammer wird es Vorstellungen zur höfischen Turnier- und Fechtkunst geben.
Was gibt es für Ausstellungen 2009?
Haag: Die wichtigste Ausstellung beschäftigt sich mit Karl dem Kühnen, dem Burgunder-Herzog und Schwiegervater von Kaiser Maximilian I. Die Schau wird eine Kooperation mit dem Historischen Museum in Bern und mit Brügge. Die Station in Wien wird zwar die letzte in der Reihe sein, trotzdem aber die breiteste und prachtvollste, weil hier viele Exponate zu sehen sein werden, die nicht reisefähig sind, Burgunder-Schätze aus der Schatzkammer, der Gemäldegalerie. Ein weiteres Vorhaben für 2009 ist eine Ausstellung zum Thema Masken im Museum für Völkerkunde – zusammen mit dem KHM und dem Theatermuseum. Die Kooperation der Sammlungen soll intensiviert werden.
Wie sehen Sie die Zukunft der Blockbusterausstellungen, die sehr teuer sind?
Haag: Ich glaube nicht, dass die Blockbuster in der bisherigen Intensität weitergeführt werden können. Der dichte Leihverkehr absoluter Spitzenwerke ist an seine Grenzen gekommen. Trotzdem wird es große und teure Ausstellungen immer geben. Die Frage ist, wie oft. Ein Museum wie das „Kunsthistorische“ ist da sicher bestens aufgestellt, weil unsere Bestände so breit und komplex sind, dass wir viele Themen und Ausstellungen aus dem Haus entwickeln können.
Was sind die wichtigsten Eigenschaften, die Sie für Ihren Job mitbringen?
Haag: Konsequenz, Zielstrebigkeit, Sachverstand und Neugier.
ZU PERSON & MUSEUM
■Sabine Haag (46) stammt aus Bregenz, studierte Anglistik, Amerikanistik, Kunstgeschichte. Seit 1990 ist sie in der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums (KHM) beschäftigt – die sie zusätzlich zu ihrer Tätigkeit als KHM-Generaldirektorin weiter leiten wird. Das KHM erhält 22 Mio. Euro vom Bund. Umsatz: 35 Mio. Euro, 400 Beschäftigte, ca. 1,3 Mio. Besucher/Jahr.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.12.2008)