Der Kapitalismus wird die Krise überleben – wir sollten Fehler aber nicht noch einmal machen.
Normalerweise ist der Jahreswechsel ja die Zeit des Rückblicks und des Ausblicks. Die lassen wir heuer beide ausfallen: Wer will sich schon beispielsweise an das schlechteste Börsenjahr der Geschichte in Wien und das (knapp) zweitschlechteste in New York erinnern? Und wer ist schon neugierig auf das, was uns 2009, im wahrscheinlich schwersten Rezessionsjahr seit dem Zweiten Weltkrieg, blüht?
Schauen wir lieber auf all die schiefgelaufenen Dinge, die wir bis zum nächsten Aufschwung in Ordnung bringen sollten. Eine kleine (und keinesfalls repräsentative) Auswahl:
Vielleicht wäre es sinnvoll, zu Bilanzierungsmethoden zu finden, die den Aufbau von absurden Gewinnluftschlössern verhindern, wie sie den Anlegern etwa von den Immobilienfirmen und deren allzu willfährigen Gutachtern vorgesetzt wurden.
Man könnte sich auch überlegen, Bonifikationssysteme für Vorstände einzuführen, die echten, nachhaltigen Unternehmenserfolg belohnen. Und nicht kurzfristige Bilanzfrisur (wie bei Stock Options) oder gar echten Misserfolg (wie etwa bei den ÖBB).
Nützlich könnte es auch sein, über Corporate Governance nicht nur zu reden, sondern die Wohlverhaltensregeln für Unternehmen auch mittels Sanktionen (etwa den Rauswurf aus der Börse) durchzusetzen. Das hätte den Akteuren bei den Großskandalen Meinl und Immofinanz das Leben zumindest erschwert. Und so manchen Kleinanleger rechtzeitig stutzig gemacht.
Man könnte auch den Anlegerschutz verbessern. Etwa, indem man bei Finanzberatern und Banken mehr auf die Beratungsqualität schaut und im Fall des Falles den Gelegten den Zugang zum Recht erleichtert. Man sollte da aber nicht übertreiben: Wenn sich der Finanzvorstand der ÖBB oder die Stiftungsvorstände des Herrn Niedermeyer über den Tisch ziehen lassen, dann ist das kein Problem des Konsumentenschutzes – sondern eines der Personalauswahl.
Der Kapitalismus wird diese Krise überleben. Diese Prognose ist ebenso sicher wie jene, dass dies nicht die letzte seiner Krisen gewesen sein wird. Wir sollten nur dieselben Fehler nicht immer wieder machen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.12.2008)