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S wie Nicolas Sarkozy: Am Arm der schönen Carla, auf Distanz zur spröden Angela

(c) AP (Eric Feferberg)
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Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy füllte seinen EU-Vorsitz übervoll aus.

„Es ist etwas Ernstes“, grinste der Präsident. Und fast in einem Atemzug heiratete er die bildschöne Carla Bruni. Das war der Start in ein Jahr, das Nicolas Sarkozy zum omnipräsenten Europäer machte. Sarkozy mit Carla in Jordanien, in Indien und bei der Queen in London. Er immer dynamisch, sie immer schön. Händchen haltend, lächelnd – eben ganz so edelkitschig, wie es der Sohn eines ungarischen Aristokraten gerne mag.

Aber für anhaltende Idylle hat Nicolas Sarkozy nichts übrig. Kaum verheiratet, ging er wieder allein auf Reisen. Die Schöne an seiner Seite blieb daheim. Ein Krisenmanagement gemeinsam mit seiner Ehefrau kam Sarkozy nicht mehr in den Sinn. Seine Exfrau Cecilia hatte ihm da schon einmal die Show gestohlen.

Nachträglich gesehen, gibt es wohl kein Amt, das der quirlige Franzose hätte besser ausfüllen können als den EU-Vorsitz. Nachdem der 53-Jährige Mitte des Jahres diese Aufgabe für sechs Monate übernommen hatte, haben viele Europäer den Atem angehalten. Sarkozy war unterwegs wie die Feuerwehr, die einen Brand nach dem anderen zu löschen versucht. Zuerst die Georgien-, dann die Finanz-, dann die Wirtschaftskrise.

Sarkozy kam dabei scheinbar mit allen klar – außer mit Angela Merkel. In der anbrechenden Wirtschaftskrise setzte die deutsche Kanzlerin auf eine völlig andere, abwartende Strategie.

Wie schrieb so schön die „Süddeutsche Zeitung“ über diese verhängnisvolle Affäre: „Weil Angela Merkel nicht so schnell wollte, wie Nicolas Sarkozy mochte, muss sie nun ansehen, wie sich Frankreichs Staatschef mit Gordon Brown tröstet.“ Hier prallten zwei politische Philosophien und zwei völlig konträre Charaktere aufeinander.

Auf der einen Seite der glamouröse Präsident, auf der anderen Seite die Regierungschefin, die „Understatement“ statt „Dior“ trägt. Auf der einen Seite ein Mann, der rasch aus der Hüfte schießt und nervös wird, sobald nicht alles innerhalb von 24 Stunden umgesetzt ist; auf der anderen Seite eine Frau mit langem Atem, die alles in Ruhe und unaufgeregt betrachtet, die nur dort aktiv wird, wo sie selbst davon überzeugt ist.

„Du gehörst zu mir“, sang ihm indessen Carla Bruni vor, auf ihrer neuen CD „Comme si de rien n'etait“. Viel dürfte sie ihren Mann in diesen Monaten nicht gesehen haben. Nicolas füllte seinen Terminkalender an wie andere ihre Champagnerflöte: randvoll. Überall präsentierte er Pläne, Visionen. Er fesselte sein Publikum. Doch als er sich verabschiedete, blieb stets auch ein Vakuum übrig. Nicht alle Versprechen hielten.

In der Masse der Ankündigungen wurde einiges wieder vergessen. Daheim verabsäumte er den versprochenen Kampf um die Pariser Vorstädte. In der EU schnürte er Krisenpakete, die bei genauem Hinsehen wenig Inhalt hatten. In der Georgien-Krise ließ er bei seinem eilends durchgesetzten Friedensabkommen wichtige Fragen über die Zukunft der abtrünnigen Provinzen und die dort stationierten russischen Truppen offen. Er ließ sich eine Mittelmeerunion einfallen, die keiner außer ihm wollte. Und er kämpfte für eine EU-Agrarreform, die eher ein Rückschritt ist.

Aber er genoss das alles sichtlich. Und so kommt es, dass auch sein Abschied von der EU-Präsidentschaft ein Vakuum hinterlässt. „Der tschechische Vorsitz wird das sicher gut machen“, sagte Sarkozy mit verschmitztem Lächeln. Er zog wieder einmal ruckartig seine Schultern hoch, wackelte eigenartig mit dem Kopf. „Also, bis bald.“ wb

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.12.2008)