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Die „Gasprinzessin“ und ihre Feinde

Julia Timoschenko hat als ukrainische Premierministerin schwer zu kämpfen. Nicht nur mit dem „Großen Bruder“ Russland.

Den Spitznamen „Gasprinzessin“ hat sie in den 90er-Jahren geerbt. Damals war Julia Timoschenko Chefin des ukrainischen Energiekonzerns EESU. Sie unterhielt gute Beziehungen zum erdgasreichen Russland, wovon das Unternehmen stark profitierte. Sie war hübsch, trug ihr blondes Haar meistens offen. Wenn es ums Eingemachte ging, täuschte ihre optische Zierlichkeit, denn die ehemalige Wirtschaftsstudentin war kaum klein bei zu kriegen.

Heute ist Timoschenko bereits zum zweiten Mal Regierungschefin der Ukraine. Die Verfechterin der Marktwirtschaft ist noch immer hübsch, trägt ihr Haar aber in Zöpfen geflochten. Auf Russland ist sie nicht mehr gut zu sprechen, denn sie muss sich vom „Großen Bruder“ regelmäßig vorführen lassen. Dann nämlich, wenn er jährlich in Gestalt des Erdgasriesen Gazprom neue Bedingungen für sein Gas diktiert und dann sogar die Lieferungen aussetzt – so wie auch in diesem Jahr.

Timoschenko hat sich aber mittlerweile an den Umgang mit hartnäckigen Gegnern gewöhnt. Als Stellvertreterin des damaligen Premierministers Viktor Juschtschenko kämpfte sie 1999 gegen korrupte ukrainische Oligarchen an. Dann mutierte Russlands Ex-Präsident Wladimir Putin zu ihrem Erzfeind. Feinde hat sie heute auch im eigenen Lager, vertraute Abgeordnete ihres Regierungslagers stimmen regelmäßig gegen sie. Die Opposition fährt sowieso einen Frontalkurs. Mit dem nunmehrigen Präsident Juschtschenko, ihrem ehemaligen Vertrauten, liegt Timoschenko im Dauerclinch. Zum russischen Gas hat sie schon lange kein gutes Verhältnis mehr. ak

ZUR PERSON

Name: Julia Timoschenko

Geboren am: 27. Nov. 1960 [AP/Efrem Lukatsky]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.01.2009)