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Lasst den ORF doch pleitegehen

Den Staatsfunk in seiner heutigen Form braucht außer der Politik und den Mitarbeitern niemand mehr.

Michael Fleischhacker hat den ORF angesichts dessen rundum eher desolater Verfasstheit vor einem Monat „die AUA der Medien“ genannt, was am Küniglberg naturgemäß für überschaubare Begeisterung gesorgt hat.

Doch mittlerweile müsste der ORF eigentlich froh sein, wäre er bloß eine „AUA der Medien“: Dann hätte er jetzt wenigstens eine Lufthansa, die ihn übernimmt und saniert. Der ORF hingegen hat nur die Große Koalition als Quasi-Eigentümer, und das bedeutet erfahrungsgemäß nichts Gutes.

Nötig hätte eine derartig radikale Sanierung der Staatsfunk, inhaltlich wie ökonomisch, natürlich zumindest genauso dringend wie die AUA. Mit einem Programm, das im Großen und Ganzen dem des privaten deutschen Unterschicht-Fernsehens gleicht, trotz der Einhebung von Zwangsgebühren mittelfristig existenzbedrohende Bilanzen zu erwirtschaften, kann ja kein wirklich zukunftsweisendes Konzept sein. Den ORF in seiner bisherigen Form zu erhalten (was wohl mehr oder weniger der Fall sein wird) ist dazu allerdings die falsche Methode. Das wird ungefähr so erfolgreich sein wie die Milliardensubventionen für General Motors, damit die noch ein bisschen länger mit zu viel zu teurem Personal zu viele zu schlechte Autos bauen können.

In beiden Fällen wäre Konkurs mit anschließender Neugründung die sinnvollere Lösung. Denn nur so können die finanziellen wie personellen Altlasten entsorgt werden (im Falle des ORF wohl teilweise an die Republik) – und danach völlig neu erdachte Unternehmen gegründet werden.

Ein derartiger „ORF 2.0“ hätte vernünftigerweise eine einzige Funktion: journalistisch hochwertige Information zu bieten. Kein Mensch braucht heute öffentlich-rechtliches TV, wenn er sich mit jenem Quatsch bedröhnen will, der den größten Teil des Programms ausmacht; das können private Anbieter besser, kostengünstiger und gern auf noch tieferem Niveau, weil sie nicht so tun müssen als ob. Der Verkauf von fettigen Big Macs wird schließlich auch nicht als öffentlich-rechtliche Aufgabe verstanden. Das Bereitstellen hochwertiger Information kann man aber durchaus als Teil einer vernünftigen öffentlichen Infrastruktur sehen; gerade angesichts der zunehmenden Verkommenheit mancher Medien.

Ein derartiger ORF 2.0 hätte mit dem heutigen wenig gemein: Er wäre dramatisch kleiner, bräuchte nicht mehr als ein TV- und ein Radioprogramm; wäre vernünftigerweise zwar direkt aus dem Budget finanziert (ohne Werbung und Gebühren), aber trotzdem politisch völlig unabhängig (etwa über eine Stiftung, deren Räte selbst ihre Nachfolger bestimmen). Er müsste keine Rücksicht auf Quoten, Befindlichkeiten von Parteien oder Werbekunden nehmen – er müsste nur dafür sorgen, valide Information über politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge zu produzieren.

Aber vielleicht ist ja genau das der Grund, warum die Politik einen derartigen ORF nicht haben will.

Christian Ortner ist Journalist in Wien.


christian-ortner@chello.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.01.2009)