Kiew hofft auf eine Einigung im Gasstreit mit Russland bis 7. Jänner und sucht Unterstützung in der EU.
Die Ukraine hofft im Gasstreit mit Russland auf eine schnelle Kompromisslösung. Staatspräsident Viktor Juschtschenko sagte am Donnerstag in Kiew, er erwarte in Kürze die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Gazprom und ihren erfolgreichen Abschluss bis zum orthodoxen Weihnachtsfest am 7. Jänner. "Ich glaube wir sind kurz davor, eine Kompromisslösung zu akzeptieren", sagte Juschtschenko. Russlands Preisvorschlag nannte er passend für den "europäischen Markt", aber nicht für die Ukraine. Zudem will das finanziell angeschlagene Land von Russland künftig mehr Geld für die Durchleitung von Gas nach Westeuropa kassieren.
Ukraine will Transitgebühr anheben
In einer gemeinsamen Erklärung mit Ministerpräsidentin Julia Timoschenko betonte die ukrainische Regierung, die vorhandenen Lagerbestände für Erdgas reichten noch eine lange Zeit. Beide versicherten ebenso wie Gazprom, dass der Transit von Erdgas nach Westeuropa nicht behindert werde. Rund 80 Prozent des russischen Gases für Westeuropa werden über Pipelines in der Ukraine gepumpt. Die Ukraine will die Transitgebühr von 1,7 Dollar je 1000 Kubikmeter Gas je 100 Kilometer auf mindestens 2 Dollar anheben.
Barroso appelliert
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat beide Länder aufgefordert, ihre Verlässlichkeit als Energie-Lieferanten der Europäischen Union unter Beweis zu stellen. Er hoffe, dass die Verhandlungen über eine Lösung des Vertragsstreits fortgesetzt würden, sagte Barroso dem "Hamburger Abendblatt". Es sei "sowohl im Interesse der Ukraine als auch Russlands", als verlässlicher Lieferanten der EU zu gelten.
Die Ukraine sucht im Gasstreit Unterstützung in der EU. Eine Delegation besucht ab Freitag zunächst Tschechien, das die EU-Ratspräsidentschaft innehat, und dann andere EU-Länder. Dabei soll es um das Problem der russischen Gaslieferungen für Europa gehen.
Auf einen Blick
■Die Ukraine erhält seit dem 1. Jänner so gut wie kein Gas mehr aus Russland. Die Versorgung Westeuropas soll jedoch vollkommen erhalten bleiben. Die Ukraine selbst hat Gas-Speicher für etwa drei Monate. Russland und die Ukraine streiten seit Jahren über Gas-Preise.
(Ag.)