E.On statt MOL als Partner der Gazprom?

Die Ungarn-Tochter des deutschen Konzerns hat alle Lagerstätten des ungarischen Exmonopolisten MOL übernommen.

BUDAPEST/WIEN (p.m.). E.On Hungária könnte einer der Partner des russischen Giganten Gazprom bei der Pipeline South Stream werden. Die ungarische Tageszeitung „Népszabadság“ berichtete am Freitag, die Tochter des deutschen Energiekonzerns E.On könnte die Lagerung großer Gasmengen übernehmen, für die ursprünglich der ungarische Exmonopolist MOL vorgesehen war.

E.On Hungária ist ab 1995 durch die Übernahme dreier ehemals staatlicher regionaler Stromversorger sowie von zwei Gasunternehmen entstanden. Den Höhepunkt und vorläufigen Abschluss der Akquisitionen bildete 2004 die Übernahme sämtlicher zur unterirdischen Lagerung von Erdgas geeigneten Territorien von MOL. Durch diese Lagerstätten mit einer Gesamtkapazität von 3,4 Mrd. Kubikmetern übernahm der deutsche Konzern die Rolle der MOL als „natürlicher ungarischer Partner“ aller Gasleitungspläne, also sowohl des westlichen Projekts Nabucco als auch von South Stream.

MOL nur noch für Studie gut?

In der ersten Planungsphase hatte der russische Riese Gazprom ein Gemeinschaftsunternehmen mit MOL gegründet. Inzwischen ist von MOL keine Rede mehr. Das Gemeinschaftsunternehmen soll eine Studie über die Lagermöglichkeiten erstellen.

Laut „Népszabadság“ wetteifern mehrere Firmen mit Lagerungs-Know-how um die Gunst der Gazprom. Zuletzt kursierte das Gerücht, dass E.On Hungária das Rennen gemacht habe und im Gegenzug eine russische Minderheitsbeteiligung erhalten werde. Offiziell sind dazu keine Reaktionen zu erhalten.

Auf Umwegen könnten damit in Ungarn zwei deutsche Unternehmen aufeinandertreffen. Denn der E.On-Rivale RWE ist gemeinsam mit der österreichischen OMV ebenfalls an Lagerstätten interessiert: Die beiden haben, wie berichtet, das Gemeinschaftsunternehmen Caspian Energy Company (CEC) gegründet, das Gas aus der Region des Kaspischen Meeres nach Europa bringen soll. Heuer beginnt CEC mit der Erstellung einer Studie über alternative Transportwege.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

Bisher schaut die Ukraine im Gasstreit mit Russland durch die Röhre.
International

Gasstreit: Ukraine hofft auf schnelle Lösung

Kiew hofft auf eine Einigung im Gasstreit mit Russland bis 7. Jänner und sucht Unterstützung in der EU.
Gas
International

Russland dreht der Ukraine das Gas ab

Wie vor drei Jahren eskaliert der Konflikt. Die ausreichende Versorgung Europas ist sichergestellt. Doch das politische Verhältnis zwischen Russland, Ukraine und EU wird auf eine neue Probe gestellt.
Österreich

Gas: Neue Pipelines oder „Wie umgehe ich einen ehemaligen Freund?“

Russlands Gasexporte sind von der Ukraine abhängig. Dies sollen neue Pipelines ändern. Europa sucht indes neue Lieferanten.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.