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Wiener Bank Medici in Turbulenzen

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Die Bank Medici ist stärker vom Betrugsfall Madoff betroffen als bislang angenommen. Bankgründerin Sonja Kohn wehrt sich gegen den staatlichen Aufseher.

Wien. Die Wiener Bank Medici, die mit 15 Mitarbeitern zu den kleinsten Banken Österreichs gehört, stellt einen traurigen Rekord auf: Wie nun bekannt wurde, dürften Medici-Kunden mit rund 3,2 Mrd. US-Dollar die größten Opfer des New Yorker Finanzjongleurs Bernard Madoff geworden sein. Denn neben den „Herald Fonds“ (Volumen: 2,1 Mrd. Dollar) soll das Institut auch über den „Thema International Fonds“ (1,1 Mrd. Dollar) in die Affäre involviert sein. Anderen Quellen zufolge soll der Schaden bei 3,6 Mrd. Dollar liegen. Eine Sprecherin der Bank will sich dazu nicht äußern.

Zweitgrößtes Opfer von Madoff dürfte die spanische Finanzgruppe Santander mit knapp 3,0 Mrd. Dollar sein.

In den USA haben Anleger bereits Klagen gegen Madoff und seine Partnerbanken eingereicht. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Anlegeranwälte auch das Wiener Institut ins Visier nehmen. Medici kassierte mit dem Verkauf der Fonds Millionen an Provisionen.

Nach Meinung von Juristen hätte die Bank daher auch die Pflicht gehabt, die Madoff-Investments genauer zu prüfen. Die Geschäftsbeziehung zu Finanzguru Madoff sei maßgeblich für die Entwicklung von Medici gewesen, schreibt die „Financial Times“. Die Bankgründerin Sonja Kohn soll Fonds, die sich nun als Teil eines riesigen Schneeballsystems herausgestellt haben, mitentwickelt haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

 

Aufsicht schreitet ein

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) sah dem Treiben nicht länger zu und stellte Medici am Freitag unter Staatsaufsicht. Ohne Regierungskommissär Gerhard Altenberger dürfen keine wichtigen Entscheidungen mehr getroffen werden.

Die beiden Medici-Leiter Peter Scheithauer und Werner Tripolt traten zurück. Laut einem FMA-Sprecher sei die Maßnahme zum Schutz der finanziellen Belange der Gläubiger sowie zur Sicherheit der noch vorhandenen Vermögenswerte erfolgt.

Die Bank Medici zählte in der Vergangenheit zu den Geheimtipps vieler Anleger. Ihre Fonds erzielten jedes Jahr traumhafte Renditen. Nun ist ein Totalausfall zu befürchten. Bankgründerin Kohn lernte Madoff in den 80er-Jahren kennen und vertraute ihm die Veranlagung der Medici-Fonds an. Der einst als Börsenstar gefeierte Wall-Street-Banker legte die Gelder jedoch nicht an, sondern verteilte sie ähnlich einem Pyramidenspiel immer weiter. Im Zuge der Finanzkrise brach das Kartenhaus zusammen. Insgesamt dürfte ein Schaden von 50 Mrd. Dollar entstanden sein.

75 Prozent von Medici gehören Kohn, die Bank Austria besitzt den Rest. Im Medici-Aufsichtsrat sitzen Exfinanzminister Ferdinand Lacina und der ehemalige Wirtschaftsminister Johann Farnleitner. Vor allem der Bank-Austria-Mutter UniCredit scheint das Thema unangenehm zu sein. Dem Vernehmen nach möchten die Italiener die Beteiligung so schnell wie möglich loswerden.

 

Kunden drohen mit Klagen

Kohn kämpft dagegen um ihre Bank. Über die Wiener PR-Agentur Ecker & Partner lässt sie ausrichten, dass die Bestellung des Regierungskommissärs rechtswidrig erfolgt sei. Denn es bestehe keine Gefahr für die anvertrauten Vermögenswerte. Der Status der Bank sei unverändert solide, heißt es in der Stellungnahme.

Medici erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2007 einen Gewinn von 472.300 Euro. Die Bilanzsumme belief sich auf 28 Mio. Euro. Der Großteil der Fonds wurde an institutionelle Anleger (Banken, Versicherungen, Pensionskassen und Vermögensverwalter) im Ausland verkauft. Einige wollen nun der Wiener Bank mit Klagen die Hölle heiß machen. Denn die Medici-Leute hätten die Warnsignale, dass Madoff auch in schlechten Börsenzeiten immer Gewinne erzielte, übersehen.

Kohn und die Bank betonen, dass bisher keine Forderungen erhoben wurden. Eine Medici-Sprecherin versichert, man habe stets alle gesetzlichen und vertraglichen Bestimmungen sorgfältig eingehalten. Sonja Kohn im Sucher S. 31

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2009)