René Mangold und sein Team legen sich im RC44-Cup mit America's-Cup-Sieger Russell Coutts an.
WIEN. Am Traunsee war es, wo sich René Mangold im Sommer den Gusto geholt hatte. Mit einer kroatisch-österreichischen Besatzung startete er vor Gmunden beim RC44-Cup – und war begeistert. Die von Russell Coutts, siebenfacher Weltmeister, Olympiasieger und dreifacher America's-Cup-Sieger, entworfenen Boote hatten es ihm angetan. Doch nur Gast zu sein war dem Hochseespezialisten zu wenig. Also stellte er seine eigene Crew (u. a. mit Taktiker Christian Binder und den beiden Tornado-Seglern Thomas Zajac und Thomas Czajka) samt eigenem Boot auf: „Weil es aktuell die attraktivste Serie ist“, sagt Mangold. Dass die Weltelite der Segler, darunter James Spithill, Mateusz Kusznierewicz oder Russell Coutts selbst, dabei ist, spricht für sich.
Verpackt im 40-Fuß-Container
Sechs Stopps umfasst der RC44- Cup international, einer davon auch am Traunsee (25. bis 31. Mai), der Homebase des „Team Austria“, wo mit dem zwei Jahre alten Boot bereits eifrig trainiert wird. 400.000 Euro musste Mangold dafür auslegen, zusätzlich 50.000 Euro für die Segel. „Um die Cup-Serie bestreiten zu können, benötigen Topteams zwischen 400.000 und 600.000 Euro“, sagt Mangold. Sein Team werde mit der Hälfte auskommen. Großer Brocken im Budget sind die Kosten für den Transport des Bootes in einem 40-Fuß-Container. „Das Projekt ist auf zwei bis drei Saisonen angelegt, die heurige ist auf Sparflamme finanziert.“
Hauptaugenmerk im Training wird auf dem Matchrace – zwei Boote segeln im direkten Duell – liegen. In diesem Bereich sehen Experten, Russell Coutts voran, den größten Aufholbedarf der Österreicher: Das sei schwierig zu trainieren, weil ja nur ein Schiff zur Verfügung stehe, sagt Mangold. Also wird man mit etwas kleineren Jachten den Infight üben.
Russell Coutts war für die Präsentation des Austroteams in Wien direkt von San Diego angereist: Dort testet das BMW-Oracle für den nächsten America's Cup. Der Neuseeländer verhehlte seinen Ärger über die schleppenden Verhandlungen zwischen dem Sieger 2007, Alinghi, und den anderen Syndikaten nicht. Es sei schade für das Event, dass weiter kein Termin für die 33. Auflage des Spektakels feststehe. Das Boot seines Teams hingegen sei in der Testphase und er vom neuen Trimaran überwältigt. „Das Boot lässt sich mit nichts vergleichen.“ Das dreirumpfige Schiff habe derart überragende Eigenschaften, dass damit bis zum Dreifachen der jeweiligen Windgeschwindigkeit gesegelt werden könne. Dabei sei man noch nicht am Limit: „Im Moment“, beschreibt er, „geht es nicht um taktische Manöver, im Moment geht es nur darum, nicht zu kentern.“
Sedlacek kämpft vor Australien
Nicht zu kentern versucht aktuell auch Norbert Sedlacek, Österreichs Teilnehmer an der Nonstop-Weltumsegelung Vendée Globe. Der Wiener, der seit 55 Tagen ganz allein unterwegs ist und derzeit südlich an Australien vorbeisegelt, hatte in den vergangenen Tagen mit Defekten zu kämpfen, die meterhohe Wellen verursacht hatten. Zudem war ein Segel über Bord gegangen, das er nur mühsam bergen konnte. Immerhin aber hält sich Sedlacek an der „Nauticsport-Kapsch“ als 14. im Rennen. 15 der 30 Starter sind ausgeschieden.
Vorläufig ausgeschieden aus dem Volvo Ocean Race, der Regatta rund um die Erde, ist hingegen Andreas Hanakamp. Solange das russische „Lenta“-Syndikat keine weiteren Sponsormillionen auftreiben kann, ist der Österreicher samt Crew zum Zuschauen gezwungen.
AUF EINEN BLICK
■Das Boot misst 13,35 m Länge und ist drei Meter breit. Segelfläche: 300 m, Gewicht: sechs Tonnen.
■Die Cupserie umfasst sechs Stopps: Lanzarote, Cagliari, Malcesine, Marseille, Dubai und vom 26. bis 31. Mai auch Gmunden am Traunsee.
■Der österreichischen Crew
gehören René Mangold (Eigner), Christian Binder, Franz Fellner, Stefan Glanz, Thomas Zajac, Thomas Czajka, Bernd Mayr, Werner Ebenhöh, Armin Raderbauer und Christian Peer an.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2009)