Wolfgang Loitzl: Familie ist die Quelle seiner Sprungkraft

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Marika Loitzl steht zu ihrem Mann, Sohn Benjamin will Papas Spuren folgen und vom Kulm springen.

Hinter jedem starken Mann steht eine noch stärkere Frau. Das ist auch im Fall der Familie Loitzl so. Denn hätte Marika, 30, nicht Nerven aus Stahl und gewisses Organisationsgeschick, ihr Ehemann Wolfgang könnte nicht so unbeschwert seinen Beruf als Skispringer ausüben, wie er es jetzt tut. Sie kümmert sich um die beiden Söhne Benjamin und Niklas, sie sieht mit ihrem Schwiegervater Josef im alten Bauernhaus in Bad Mitterndorf nach dem Rechten und achtet darauf, dass ihr Mann jede freie Minute daheim genießen und mit den Kindern verbringen kann.
Obwohl Marika Loitzl nie bei Weltcupspringen vor Ort war, hielt sie es nach den Siegen in Garmisch und Innsbruck daheim nicht mehr aus. Sie „parkte“ die Kinder bei den Großeltern und fuhr zum „Helden“, der sich in Bischofshofen den Sieg bei der Vierschanzentournee sichern wollte.


„Wir kennen uns seit zehn Jahren“, verrät Frau Loitzl, „aber es war Liebe auf den zweiten Blick.“ Es dauerte, bis sich beide, die sich über eine gemeinsame Freundin kennengelernt hatten, verliebten. Das erste Bussi kam gar erst drei Monate später, gibt sie fast verlegen preis. Das erklärt auch, warum Wolfgang Loitzl in seinen dreizehn Weltcupjahren so still war und die Medien geradezu mied: „Er bleibt gerne im Hintergrund, er öffnet sich schwer“, sagt Marika. Seit seinen Siegen aber sprudelt es aus ihrem Gatten, der nicht nur mit makellosen Sprüngen brilliert, sondern auch in Interviews seine Stellung klar bezieht.


Skispringen ist daheim immer ein Thema, obwohl der Chefadler seine Ruhe sucht und entspannen will, gelingt es nicht immer. Denn Benjamin, 4, ist „verrückt nach diesem Sport. Das Christkindl hat ihm bereits einen Anzug und Sprungski gebracht.“ Zum Einsatz kommt das Equipment freilich hinter dem Bauernhaus, eine selbst gebaute Minischanze ist der liebste Trainingsplatz. Sitzt der Vater aber auf dem Bakken, liegt Ben vor dem TV-Schirm. Er fiebert mit und schreit mit der Menge ganz laut „Ziiieh!“. Skispringen liegt ihm im Blut, und auch mit seinen Plänen hält der kleine Mann nicht hinter der Schanze: Er will eines Tages vom Kulm springen. Diese Botschaft dürfte Hubert Neuper besonders freuen: Nicht nur an diesem Wochenende hebt ein Loitzl vom Kulm ab, auch die Zukunft ist mit dem Filius als Lokalmatador in spe gesichert.
Die Familie, dessen ist sich Marika gewiss, ist Wolfgang Loitzls stärkster Rückhalt. Denn auch in Krisenzeiten hält sie zu ihm. Daran ändern auch das grelle Rampenlicht, Siegprämien (87.000 Euro in dieser Saison) oder ein nagelneuer Geländewagen nichts.

(Die Presse, Printausgabe, 7. 1. 2009)

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