Wolfgang Loitzl, Tagessieger von Bischofshofen, ließ sich den Tournee-Gesamtsieg nicht mehr nehmen.
Wolfgang Loitzl ist ein echter Teufelskerl. Der 28-jährige Steirer zeigte zum Abschluss der Vierschanzentournee keine Nerven und segelte in Bischofshofen zum Gesamtsieg. 30.000 Skisprungfans verwandelten das Areal rund um die Paul Ausserleitner-Schanze in ein Tollhaus, die Begeisterung um Loitzl war grenzenlos. Er ist mit dem gestrigen Triumph der erst siebente Österreicher, der die Tournee gewinnen konnte.
Den Grundstein zur Krönung legte der Steirer bereits im ersten Durchgang. Nicht nur der 142,5 Meter wegen. Loitzl gelang der Sprung der Tournee – der mit der absoluten Bestnote belohnt wurde. Fünfmal 20, da musste auch Anton Innauer in sich hinein lächeln, der diese Marke 1976 in Oberstdorf erzielt hatte. Den Tagessieg machte Loitzl im zweiten Durchgang mit 141,5 m perfekt.
Die Tränen eines Siegers
Dann brachen alle Emotionen über ihn herein. Er verschickte Kußhände, küsste den Boden und genoss das Treiben. Und als die Bundeshymne ertönte, war Loitzl endgültig fassungslos. Tränen kullerten über seine Wangen, im Publikum feierten seine Eltern, auch seine Schanzen-Kollegen ließen den Steirer hochleben. „Ich hätte mir so einen Erfolg nie erträumen lassen, ich habe jahrelang nur um einen Sieg gekämpft. Jetzt habe ich gleich drei hintereinander geschafft und die Tournee gewonnen. Ich bin so glücklich.“
Dass er das Erreichte nicht sofort, sondern erst nach Wochen realisiert haben wird, musste er nicht betonen. Nun freute er sich auf ruhige Stunden, die er mit der Familie verbringen wolle, ehe der Kulm (ab Freitag) in Bad Mitterndorf ruft. In der Stunde seines größten Triumphs äußerte er schon still und leise sein nächstes Ziel: „Ich will bei der WM in Liberec eine Einzelmedaille gewinnen!“ Es wäre die erste des vierfachen Team-Weltmeisters. Möglich ist alles, das hat Loitzl bei der 57. Tournee bewiesen.
(Die Presse, Printausgabe, 7. 1. 2009)